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04.04.2012 · Marktoberdorf

Jochen König hält in Marktoberdorf Vortrag über Allgäuer Bräuche

Allerlei Mittel gegen die bösen Geister

Vortrag · In der „guten Stube“ des Hartmannhauses saßen die Zuhörer dicht gedrängt, denn Allgäukenner Jochen König hielt dort einen Vortrag über Allgäuer Bräuche und Wetterregeln. „Unser Brauchtum hat seine Grundlagen vor mehr als 2000 Jahren, also vor der Christianisierung“, sagte er gleich eingangs.

Brauchtum; Bräuche; Allgäu; alte Bräuche; Jochen König; Vortrag; VHS; Heimatmuseum Hartmannhaus
Brauchtum; Bräuche; Allgäu; alte Bräuche; Jochen König; Vortrag; VHS; Heimatmuseum HartmannhausBild: Kornelia Hieber
„Die christlichen Missionare haben seinerzeit bestehende keltische Feste in christliche Feste übernommen.“ König zufolge feiern wir Lichtmess (2. Februar) am Tag des keltischen Frühlingsfests, an dem Birgit oder Brigid, die Göttin des Lichts, verehrt wurde. Ein Fest wurde damals gefeiert, indem ein großes Feuer entfacht wurde, sagte König.

Noch heute knüpfe das Abbrennen von Funken-, Mai-, Sonnwend- oder Johannisfeuer an diese Tradition an. Gerade mit den Funkenfeuern sollten die bösen Wintergeister vertrieben werden, von ihrer Asche wurde etwas auf die Felder ausgebracht, damit es gut wachsen sollte.

Mit Hasel gegen Hexen

Damals konnten die Menschen sich viele Naturphänomene nicht erklären, ihr Leben drehte sich um ihre Tiere, ihr Hauswesen und um das Wetter. Davon wollten sie Unerklärliches – sprich böse Geister – fernhalten. Viel Potenzial dafür schrieb man der Haselnuss zu: Die galt als Strauch gegen Hexen, deshalb pflanzte man sie gerne beim Haus.

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Zur Sicherheit steckte man auch noch einzelne Zweige unmittelbar ans Haus. Die Palmboschen wurden an einen Haselnussstecken gebunden, aber der musste geschält sein, denn zwischen Stamm und Rinde hielten sich gerne böse Geister auf.

Interessant sei, so König, dass die heilende Wirkung des Haselstrauches auch in christliche Legenden übernommen wurde. So fand Maria auf dem Weg zu ihrer Base Zuflucht vor einer giftigen Natter unter einem Haselstrauch.

Viele Riten vor Ostern

Die Karwoche war quasi die Hochsaison des Brauchtums, die Menschen waren schwer beschäftigt, alle nötigen Vorkehrungen zu treffen: Wer am Gründonnerstag ein rohes Ei schluckte, bekam nie einen Bruch.

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Sehr gut war es, ein geweihtes Karfreitagsei, das übrigens niemals schlecht wurde, dreimal übers Hausdach zu werfen, ohne dass es kaputt ging: Ein besseres Mittel gegen böse Geister gab es schier nicht.

Die Mädchen waren besonders am Karfreitag und Karsamstag damit beschäftigt, die guten Geister zu beschwören. Meist ging es da um ihre Schönheit und darum, dem richtigen Mann zu begegnen. Dafür war es gut, vor Sonnenaufgang die Füße in einem Bach zu waschen, der nach Osten floss.

War Schaum im Bach, sollte die Maid sich damit das Gesicht waschen und sie würde nie Sommersprossen bekommen. Wenn sie es zudem schaffte, während des Glorialäutens am Karsamstag zu drei Brunnen zu rennen, dann stand ihrem Glück nichts mehr im Wege, schmunzelte Jochen König.

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Große Unterschiede im Allgäu

Auf unterhaltsame Weise erfuhren die über 20 Zuhörerinnen und Zuhörer vieles über altes Brauchtum und seine Wurzeln. Interessant war, dass es vom Oberallgäu zum Ostallgäu schon große Unterschiede in den Bräuchen gab, oft sogar von Gemeinde zu Gemeinde.

Wichtig war für die Menschen, dass sie die für sie richtigen Bräuche ausübten und damit das ihrer Meinung nach Mögliche taten, um ihr Schicksal zum Guten zu wenden, erklärte König, der im Schnelldurchgang noch über einige alte Wetterregeln sprach.

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Artikelinfos
Autorhie
Veröffentlichung04.04.2012
Aktualisierung16.04.2013 12:33
Ort Marktoberdorf
Schlagwörtervortrag, wetter, regeln
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