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23.03.2012 · Kempten

Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in Kempten

Erwin Rommels Nachfahren betreiben einen Früchtehandel – Fünf Ur- und drei Ururenkel

Zeitgeschichte · Erwin Rommel gehört zu den bekanntesten Generälen des Zweiten Weltkriegs. Die nationalsozialistische Propaganda baute den „Wüstenfuchs“ mit Wochenschauen und Fotos zur Ikone auf. Was nur wenige wissen: Seine Nachfahren leben heute in Kempten.

Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in Kempten
Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in KemptenBild: Ralf Lienert
Die beiden Enkel Josef und Helga Pan haben auf ihrem Wohnzimmertisch ein seltenes Zeitdokument liegen: Erwin Rommel mit seiner Ehefrau Lucie-Maria und seiner unehelichen Tochter Gertrud Stemmer aus Weingarten. „Das Foto verrät viel über den Charakter meines Großvaters“, erzählt Josef Pan (72).

Rommel hatte nämlich die Dienstboten zum Foto gebeten. „Er war immer einfach und nie arrogant.“ Er selbst hat seinen berühmten Opa nie gesehen, kennt aber zahllose Erzählungen seiner Mutter Gertrud.

Als Fahnenjunker tritt Rommel 1910 beim 6. Württembergischen Infanterie-Regiment in Weingarten ein. Zwei Jahre später verliebt sich der 21-Jährige in Walburga Stemmer (18). Die Liebe hat Folgen: Am 8. Dezember 1913 kommt die gemeinsame Tochter Gertrud zur Welt. Die beiden wollen heiraten.

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Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in Kempten
Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in KemptenBild: Ralf Lienert
„Aber es kam anders“, erzählt Enkeltochter Helga Pan (74). Rommel wird an die Militärschule nach Danzig versetzt, lernt dort Lucie-Maria Mollin kennen und heiratet sie im November 1916. Die Ehe bleibt zunächst kinderlos und Walburga hofft, dass ihre große Liebe zu ihr zurückkommt.

Doch im Dezember 1928 kommt Manfred Rommel (der spätere Stuttgarter Oberbürgermeister) auf die Welt. Das erlebt Walburga aber nicht mehr. „Unsere Oma ist an den Folgen einer Lungenentzündung im Oktober 1928 gestorben“, berichten die Enkel.

180 Briefe

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Der Kontakt zwischen dem Offizier und seiner Tochter Gertrud reißt dagegen nicht ab. „Ich habe heute noch 180 Briefe von Rommel an unsere Mutter“, erzählt Helga Pan stolz. Rommel besucht Gertrud so oft es geht, lädt sie zu sich nach Hause ein und gibt sie gelegentlich als seine Nichte aus.

In Weingarten übernimmt Gertrud 1928 den Kiosk ihrer verstorbenen Mutter. Dort lernt sie auch Josef Pan sen. kennen. Der gebürtige Südtiroler liefert ab 1931 Südfrüchte zum Kiosk und hält wenig später um die Hand der Rommel-Tochter an. In Kempten bauen sich die beiden eine Existenz mit einem Früchtehandel auf. Sie haben drei Kinder: Helga, Josef und Anton.

Kinofilm wird gedreht

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Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in Kempten
Die Enkel des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel leben in KemptenBild: Ralf Lienert
Die Kinder wissen lange nichts von ihrem Großvater. „Bei uns wurde immer nur über Onkel Erwin gesprochen. Erst als ich 15 war, erzählte mir meine Mutter die ganze Geschichte“, erinnert sich Helga Pan. Die fünf Urenkel Karlheinz, Cornelia, Doris, Manfred und Florian sowie drei Ururenkel Sebastian, Simon und Finn sind neben Großonkel Manfred die einzigen Nachfahren Rommels.


„Manfred und Lieselotte Rommel haben ihre Tochter Catherine adoptiert“, weiß Helga Pan. Sie ist schon gespannt auf den Film über Rommel mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle. „Aber vermutlich wird das Kapitel seiner Tochter Gertrud ausgelassen. Sie war ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten“, erzählt sie.

Über dem Wohnzimmertisch hängt ein Bild des Großvaters. Rommel werden Verbindungen zum Widerstand gegen Hitler nachgesagt, 1944 nimmt er sich das Leben. Josef Pan erinnert sich an den Anruf, den seine Mutter damals erhielt: „Dein Vater ist tot. Selbstmord. Der Führer hat ihn dazu gezwungen. Du musst kommen.“

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Artikelinfos
AutorRalf Lienert
Veröffentlichung23.03.2012
Aktualisierung16.04.2013 10:59
Ort Kempten
Schlagwörterleben, weltkrieg, general, familie
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