Menü Suche Impressum

Ihre Region: 

05.01.2013 · Isny

Der 36-jährige Ingenieur aus Isny baut einen Elektro-Motorsegler für einen Wettbewerb in den USA

Karl Käser geht elektrisch in die Luft

Fliegen · Am Ende seines schönsten Projekts stand ein internationaler Wettbewerb in den USA – und Karl Käser konnte ihn nicht genießen. Das Elektroflugzeug „eGenius“, dessen verantwortlicher Bauleiter er war, flog beim Green-Flight-Challenge in Santa Rosa (Kalifornien) auf den zweiten Platz – und er lief auf dem Flugplatz herum „wie ein Geist“, erinnert er sich. Denn hinter ihm lagen Monate, in denen er fast Tag und Nacht gearbeitet hatte und endlich am Ziel angelangt, war da nur noch Erschöpfung.

Karl Käser
Bild: oh
Als der Luft- und Raumfahrttechniker aus Gründels bei Isny von einem Assistenten des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart erstmals wegen des Projekts Elektroflugzeug für den „Green Flight Challenge“ um Rat gebeten wurde, war er noch Konkurrent.

Er hatte einen eigenen Entwurf, doch leider fand sich niemand, „der eine halbe Million für den Bau auf den Tisch gelegt hat“, erzählt er und grinst.

Als das Uni-Team unter Professor Rudolf Voit-Nitschmann merkte, dass es nicht rechtzeitig fertig würde, holten es Käser im Oktober 2010 ins Boot, genauer gesagt, ins Faserverbund-Flugzeug. Der 36-Jährige hat nach dem Abitur in Isny und vor dem Studium an der Uni Stuttgart eine Lehre als Leichtflugzeugbauer gemacht. Mit diesem praktischen Know-how im Faserverbund sei er exotisch, sagt er.

anzeige

Formenbau im Faserverbund, den müsse man sich selber beibringen, das werde an keiner Uni gelehrt. „Wenn du ein effizientes Flugzeug bauen willst, kommst du um einen Motorsegler nicht herum“, erklärt Käser, der bei der Luftsportgruppe Isny seinen Segelflugschein gemacht hat.

Mit Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in jedem Laptop zu finden sind – 5616 Einzelzellen – wird eine Energiemenge von 56 Kilowattstunden erreicht. Der wassergekühlte Motor hat eine Startleistung von 90 PS, bei einem Wirkungsgrad von 95 Prozent. Das sei bei Elektromotoren üblich, „die sind sehr effizient.“

Das Ding flog – und wie. Im Mai 2011 war Jungfernflug mit einem Testpiloten vom deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. „Als Amateurflieger einen Prototypen erstmals zu fliegen, wäre Wahnsinn“, sagt Käser.

Bis zum Wettbewerb mussten sie 40 Flugstunden nachweisen, nicht ganz einfach, weil nach zwei Stunden Flug acht Stunden Laden angesagt waren. „Mehr Strom kommt nicht aus der Steckdose“, so Käser.

Schon bald flog Käser mit Systemingenieur Steffen Geinitz das von Len Schumann konzipierte Flugzeug 340 Kilometer weit und verbrauchte nur 80 Prozent der Energiereserven.

„eGenius“ war das leiseste Flugzeug und es flog 360 statt der geforderten 320 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Dafür brauchte es umgerechnet nur 0,6 Liter Benzin pro Passagier und 100 Kilometern. Das Siegerflugzeug hatte jedoch zwei Rümpfe mit vier Sitzplätzen und lag deshalb unter diesem Wert.

Eine Ehrung freut Käser ganz besonders: Das „eGenius“-Team wurde 2012 vom SWR und dem Land Baden Württemberg als einer der „Übermorgenmacher“ ausgezeichnet. Und er entwickelt weiter: das elektrische Ultraleichtflugzeug Loëla für die 120-Kilo-Klasse. „Das wird ein E-Bike für die Luft“, verspricht der Ingenieur.


anzeige
Ihre Meinung
Artikelinfos
Autorrau
QuelleDer Westallguer
Veröffentlichung05.01.2013
Aktualisierung16.04.2013 10:48
Ort Isny
Schlagwörteringenieur, wettbewerb, usa, fliegen
anzeige

anzeige