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25.11.2011 · Kaufbeuren

Dauerarrest als „deutlicher Denkzettel“ für 19-jährigen Angeklagten

19-Jähriger kümmert sich nicht um Arbeitsauflage – Eingestelltes Verfahren erneut aufgerollt

Jugendschöffengericht · Er war bereits wegen Gewaltdelikten vorbestraft und stand unter offener Bewährung, als er sich im April erneut wegen einer Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht verantworten musste. Der 19-jährige Kaufbeurer hatte Anfang Dezember 2010 im Streit eine junge Frau zu Boden geschubst und leicht verletzt.

Gerichtsgebäude
Bild: Alexander Kaya
Dass das Verfahren gegen ihn dann trotz der Vorgeschichte gegen 120 gemeinnützige Arbeitsstunden vorläufig eingestellt wurde, lag an einer zum damaligen Zeitpunkt positiven persönlichen Entwicklung. Weil der junge Mann diese Chance nicht nutzte und zu den Arbeitsstunden nur sporadisch oder überhaupt nicht erschien, musste das Verfahren gegen ihn jetzt erneut aufgerollt werden.

Das Jugendschöffengericht hielt im Urteil einen „deutlichen Denkzettel“ für geboten und verurteilte den Angeklagten zu einem zweiwöchigen Dauerarrest. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Nichts zu rütteln

An der Straftat selbst gab es vor Gericht nichts zu rütteln: Der Angeklagte gab zu, dass er im Dezember 2010 in einem Streit, der ihn eigentlich gar nichts anging, ein junges Mädchen beleidigt und umgeschubst hatte. Die 17-Jährige, die bereits ein lädiertes Handgelenk hatte, fiel auf die verletzte Hand und hatte danach zwei Tage lang erneut Schmerzen.

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Weil der Vorfall nicht gravierend war, und der aus schwierigen familiären Verhältnissen stammende Angeklagte sich zuletzt auch durch psychologische Unterstützung positiv entwickelt hatte, wurde das Verfahren beim ersten Verhandlungstermin im Frühjahr gegen 120 Arbeitsstunden eingestellt. Das Ableisten dieser Auflage wurde dann zunächst ausgesetzt, weil der junge Mann eine feste Anstellung mit der Aussicht auf die Übernahme in eine Ausbildung gefunden hatte. Nachdem das Arbeitsverhältnis im August vorzeitig beendet wurde, hätte der Angeklagte eigentlich Zeit für die Arbeitsstunden gehabt.

Dass er diese zunächst gar nicht und dann nur unregelmäßig antrat, begründete er vor Gericht unter anderem damit, dass ihm manche Aufgaben nicht gefallen hätten. Zudem sei er aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Mutter und der zeitweisen Trennung von seiner Freundin in schlechter Verfassung gewesen und habe sich „nur noch daheim verkrochen“. Aus der Stellungnahme der Bewährungshilfe ging hervor, dass der Angeklagte seit etwa einem Jahr in einer eigenen Wohnung lebt und damit offenbar überfordert ist.

Wenn der junge Mann arbeite, so die Bewährungshelferin, sei sein Verhalten „völlig okay.“ Man könne sich aber nicht auf ihn verlassen. Auch der Richter ging im Urteil davon aus, dass der Angeklagte „funktioniert, wenn er möchte.“

Er fügte hinzu: „Häufig möchte er aber nicht und bleibt dann gerne länger liegen.“

Um dem jungen Mann auf die Sprünge zu helfen, hielt das Gericht jetzt eine „deutliche Erinnerung“ in Form eines Dauerarrests für angebracht.

 

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Artikelinfos
Autorbbm
Veröffentlichung25.11.2011
Aktualisierung16.04.2013 10:58
Ort Kaufbeuren
Schlagwörterjugend, urteil, gewalt
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