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23.02.2011 · Oberstdorf

Bereitschaftsdienst bei der Bergwacht Oberstdorf

Bergwacht · Es ist früher Sonntagmorgen und der Parkplatz der Nebelhornbahn steht noch leer. Nur ein einziges Auto steht dort: der Geländewagen der Bergwacht Oberstdorf. Bereits um 8.00 Uhr, eine halbe Stunde vor der ersten offiziellen Bergfahrt, geht eine Gondel für die drei Bergwachtler, die heute am Nebelhorn Bereitschaftsdienst haben.

Eine dieser Bergwachtler ist Anna Hindelang, 20 Jahre alt und seit zwei Jahren bei der Bergwacht Oberstdorf im Einsatz. Vier bis fünf mal pro Wintersaison verbringt sie ihre Wochenenden ehrenamtlich als sogenannter „Roter Engel“ auf der Piste. Denn die Kombination aus „frischer Bergluft schnuppern und dabei Leuten helfen" bereitet ihr Freude.
 
In der Bergstation Höfatsblick befindet sich der Bereitschaftsraum der Bergwacht. Ausgestattet mit einer kleinen Küche, einer Essecke sowie einem Fernseher, PC und allerlei Funkgeräten ist er nicht nur der perfekte Raum, um direkt auf Notfälle reagieren zu können. Der Bereitschaftsraum ist auch ein angenehmer Ort, um sich die mitunter langen Wartezeiten zu vertreiben, wenn mal keine Skiunfälle passieren.

Die Bergwachtler vertreiben sich die Zeit während des Bereitschaftsdienstes ganz unterschiedlich. „Wir frühstücken zusammen, reden und lachen miteinander. Dann gibt es auch Phasen während des Dienstes, in denen der eine im Internet surft und der andere die Funkgeräte wartet", beschreibt Anna.

Die Bergwachtler sind von 8.00 Uhr morgens an im Dienst, bis zum Abend, wenn auch der letzte Wintersportler die Talabfahrt angetreten hat. „Natürlich kommt der Spaß auch nicht zu kurz. Ich schnalle mir oft meine Ski an, wenn es mir langweilig wird und fahre ein wenig für mich. Das Funkgerät habe ich unterwegs auf der Piste immer bei mir, so kriege ich sofort mit, wenn was passiert. Ich nenne es Streife fahren", lacht Anna.
 
Die Ausbildung zur aktiven Einsatzkraft der Bergwacht Bayern dauert etwa zwei bis drei Jahre. Der Anwärter muss zu allererst einen Eignungstest im Klettern und im Skifahren bestehen. Erst dann erhält er die Zulassung zu den Wochenend-Lehrgängen. Nach diesen absolvierten Lehrgängen, die es sowohl für den Wintereinsatz, als auch für den Sommereinsatz gibt, muss der Anwärter die jeweilige Prüfung bestehen. Ein Sanitätslehrgang ergänzt die medizinischen Kenntnisse der angehenden Bergwachtler.
 
Die Aufgaben der Skiwacht sind sehr unterschiedlich. Sie kontrollieren die Pisten und sprechen sich mit der jeweiligen Bergbahn ab, ob einzelne Abschnitte besser präpariert werden müssen. Sie helfen Skifahrern, die zum Beispiel Probleme mit ihrer Bindung haben. Außerdem haben sie eine beratende Funktion, wenn es um die Bestimmung der  Lawinenwarnstufen vor Ort geht. Jedoch haben die eingehenden Funksprüche und Notrufe immer Vorrang.
 
Xaver Hartmann, Leiter der Lawinenhundestaffel und stellvertretender Regionalleiter, ist auch an diesem Wochenende wieder am Nebelhorn im Einsatz. „In der Regel haben wir hier am Nebelhorn durchschnittlich ein bis zwei Einsätze am Tag. Früher sind mehr Unfälle auf der Piste passiert. Das liegt unter anderem daran, dass es hier am Nebelhorn keine Buckelpisten mehr gibt und die Pisten heutzutage besser präpariert sind.“
 
Nachwuchssorgen hat die Bergwacht Oberstdorf nicht. Immer mehr junge Leute kombinieren ihr Hobby Skifahren oder Snowboard fahren mit sozialem Engagement und werden Anwärter bei der Bergwacht. Die Lawinenhunde jedoch bereiten Xaver Hartmann Kopfschmerzen. „Wir haben im Moment nur acht Lawinenhunde für das gesamte Allgäu im Einsatz. Das sind viel zu wenig.“
 
Der Skitag neigt sich dem Ende zu. Es wird langsam dunkel. Die letzten hartgesottenen Wintersportler steigen in ihr Auto und verlassen den Parkplatz der Nebelhornbahn. Nun können auch die drei Bergwachtler ihren Dienst beenden. Sie steigen in den Geländewagen und als Letzte verlassen sie die Nebelhornbahn. Bis zum nächsten Morgen.
 
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Artikelinfos
AutorLarissa Pucher
Veröffentlichung23.02.2011
Aktualisierung04.12.2013 14:25
Ort Oberstdorf
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