So ist es nur folgerichtig, erneut mit einer Ausstellung die Aufmerksamkeit des kulturinteressierten Publikums an den Bodensee zu lenken. Im Mittelpunkt der Lindauer Sommerschau steht der populäre Künstler Marc Chagall (1887 bis 1985), dessen Geburtstag sich heuer zum 125. Mal jährt.
Professor Roland Doschka will 30 Chagall-Originale im Cavazzen präsentieren. Dabei kündigt der Kurator Überraschungen an.
Als „Dichter mit den Flügeln eines Malers“ hat einst Henry Miller Marc Chagall bezeichnet. Der im heutigen Weißrussland geborene, französische Künstler mit jüdischen Wurzeln gilt als Maler-Poet, als Magier des Lichts und der Farben. Seine Bilder sind symbolreich, erzählend und leuchten häufig im dominierenden, mediterranen Blau.
Dass Chagall zu den bekanntesten Vertretern der Klassischen Moderne gehört, ist dem Umstand zu verdanken, dass es eine große Anzahl an Lithographien von ihm gibt, die weltweit immer wieder ausgestellt werden. Auch seine Kirchen- und Synagogenfenster finden viel Beachtung.
Roland Doschka will sich mit seinem Konzept vom Altbekannten abheben. In Lindau werden nur Originale zu sehen sein. Ein Teil der Aquarelle, Ölbilder und Gouachen sind Leihgaben der Erben aus dem Nachlass Chagall. Meret Meyer-Chagall, die Enkelin des Künstlers, steht in engem Kontakt mit Kurator Doschka und hat vorgegeben, in Lindau keine Mischung aus Originalen und Druckgrafiken zu zeigen – stattdessen ausschließlich Originale.
„Es wird eine puristische Schau“, sagt Kurator Doschka. „Wir zeigen nicht den Klischee-Chagall, nicht den süßen Chagall.“ Beispielsweise sei ein spätes Werk zu sehen, das eher an Baselitz erinnere. „Da malt Chagall so wild – das traut man ihm nicht zu“, erläutert Doschka. Meret Meyer-Chagall, davon geht er aus, wird Lindau während der Ausstellung einen Besuch abstatten – zumal es anlässlich des 125.
Geburtstags in Deutschland nur eine weitere Schau organisiert wird: im Picasso-Museum Münster .
Die Stadt Lindau will sich während der Ausstellungsdauer (1. April bis 19. August) laut Oberbürgermeisterin Petra Seidl in „chagalleskem Blau“ präsentieren. Darauf stelle sich etwa bereits die Stadtgärtnerei ein. Für ein ansprechendes Rahmenprogramm sorgt das Kulturamt mit seinem Leiter Alexander Warmbrunn.
Unter anderem, so Warmbrunn, soll der Bogen geschlagen werden zu anderen Künsten, die den Maler Chagall beschäftigten. So habe er während seiner Zeit im amerikanischen Exil als Bühnenbildner in New York gearbeitet und Ballette ausgestattet.
Schon jetzt liegen dem Kulturamt Buchungen für Gruppenführungen durch die Chagall-Ausstellung vor. Auch in Sachen Kunstvermittlung erwarten die Macher einen ähnlichen Erfolg wie im vergangenen Jahr. Damals hatte sich ein Drittel der Besucherinnen und Besucher mithilfe von Führungen in die Kunst Picassos vertieft. Diese Quote liegt laut Fachmann Doschka weit über der anderer Museen.
Die Ausstellung „Magie des Lichts – Malerei von Marc Chagall“ ist von 1. April bis 19. August im Lindauer Stadtmuseum zu sehen: Öffnungszeiten täglich von 10 bis 18 Uhr. Gruppenführungen können schon jetzt gebucht werden unter (0 83 82) 260-033.