Toll: Anders als viele Rap-Kollegen kommen die Pioniere des deutschen Hip-Hop als echte Band aus Fleisch und Blut, plus eines fleißig scratchenden DJ exel. Pauly. Durch ein Bläsertrio und Gitarrenpräsenz kleiden «Die Brote» ihre Songs live in ein tanzbares, funkig-punkiges Gewand. Die drei Frontstimmen greifen gut ineinander und klopfen trockene Sprüche im Sekundentakt.
Zwischen Spaß und Partymucke mischen sich auch nachdenkliche Töne. Politisch gar wirds beim neuen Stück «Kontrolle». Hubschrauberrotoren lärmen, Scheinwerfer schweifen suchend übers Publikum, das Schreckgespenst Durchleuchtung wirkt real.
Nicht ganz ideal: Die Fans (laut Veranstalter Koko-Entertainment «knapp 2000») müssen zwischen der Tribüne und dem Bühnen-Absperrgitter eingepfercht stehen. Enge und Sichtprobleme mindern die Stimmung. Die kippt auch bei den Musikern kurz, als Bierbecher auf die Bühne fliegen. Doch eine nachgereichte Rose und ein BH versöhnen schnell wieder. Und bei Hits wie «Schwule Mädchen» ist alles am Tanzen. Um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen, winkten die Fans und schwenkten im Hip-Hop-Stil ihre erhobenen Arme. Zum Schluss lobt die Band ihr Kemptener Publikum in den höchsten Tönen. Von Einheizern wie «Kraftklub» können andere Hauptbands nur träumen. Musikalisch simpel und rotzig rappen sich die Indie-Rocker «aus Karl-Marx-Stadt» durch acht Stücke und sprühen textlich nur so vor Witz und Esprit.
Die halbe Stunde vergeht viel zu schnell.
Die Brote selbst wird man wohl so bald nicht mehr auf der Bühne erleben: Sie verabschieden sich in eine selbstverordnete Auszeit.
Da geht der Punk - pardon: Hip-Hop ab: Beim Auftritt von «Fettes Brot» in der Big Box flog den Zuhörern fetter Sound um die Ohren. Foto: Hermann Ernst