
Mit der Inszenierung von „Doing it“ nach der Vorlage von Melvin Burgess ist der Kulturwerkstatt Kaufbeuren eine gleichermaßen tiefsinnige wie humorvolle Mischung aus Liebes- und Gedankenspielen gelungen. So gab es bei der Premiere im ausverkauften Theater Schauburg zurecht tosenden Applaus.
Drei Jungs im „schwierigen“ Alter meinen, alles im Griff zu haben, sind aber doch Suchende und Tastende, wenn es um das andere Geschlecht geht. Denn bei keinem läuft es in der Liebe so richtig rund. Dino (Kilian Herbschleb) gibt den Abgebrühten, den keine seiner vielen Affären mehr so richtig aus der Ruhe bringen kann. Doch mit Jackie (Tina Müller) ist das etwas anderes.
Obwohl sich beide lieben, möchte sie „nicht die nächste Schlampe auf seiner Liste sein“ und wehrt sich gegen ihre Gefühle. Jonathan (Moritz Lill) hat sich auf einer Party in Deborah (Sarah Finazzo) verguckt. Doch er fürchtet sich vor den Hänseleien seiner Klassenkameraden, weil seine Liebste nicht dem allgemeinen Schönheitsideal entspricht. Eine eingebildete Krankheit macht ihm zusätzlich zu schaffen.
Ben (Jonathan Posselt) schließlich wurde von seiner jungen Lehrerin (Eva Späth) zu ihrem Liebhaber gemacht. Doch mit der wilden Affäre tröstet sie sich lediglich über ihre eigentlichen Probleme hinweg.
Während diese Paare im vorderen Teil der Bühne leben und lieben, werden im hinteren Teil ihre Gedanken (Tobias Kallwitz, Ines Schill, Felix Hoppstock, Nina Mayer, Adrian Langer und Svenja Müller) sichtbar. Gleich gekleidet wie die Protagonisten spiegeln sie deren Gefühlsleben wider. Sind Denken und Tun eins, dann entstehen synchrone, ja fast schon tänzerische Bühnenauftritte.
Wenn die Handelnden etwas anders tun, als das, was in ihrem Kopf vorgeht, dann ergeben sich interessante dramaturgische Effekte. Dabei haben sowohl die realen Liebenden als auch ihre Gedanken leise, nachdenkliche, aber auch große, theatralische Auftritte.
Tacheles statt Betulichkeit
Dabei wird auf der gesamten Bühne Tacheles geredet, und nicht nur das Geflüster in den diversen Betten verzichtet auf jede Betulilchkeit. Trotzdem wirkt „Doing it“ in der Inszenierung von Nadja Ostertag nie peinlich oder gar zotig.
Dafür entwickeln viele Szenen eine oft völlig unerwartete, befreiende Komik. Für die stets passende Begleitmusik und sogar schauspielerische Intermezzi sorgt routiniert DJ Daniel Landgraf an seinem gut sichtbar auf der Bühne postierten Mischpult.
Ob angesichts dieser interessanten Struktur des Stücks und des hervorragenden Ensembles auch noch 280 leeren Bierkisten auf der Bühne unbedingt notwendig sind, darüber lässt sich diskutieren. Zwar verblüffen die Kunststoff-Träger durch ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
Aus ihnen werden nicht nur allerlei Requisiten und Möbel, sondern auch emotionale Mauern zwischen den Paaren oder Pyramiden, auf denen die Liebenden auch optisch zum Höhepunkt kommen. Doch der massive Einsatz dieses dramaturgischen Mittels kostet viel Energie und Zeit, und die zahlreichen Umbaupausen nehmen dem ohnehin schon szenenreichen Ablauf etwas die dramatische Dichte. Hier wäre weniger vielleicht mehr.
Insgesamt aber ein Stück, das so prall voller Leben ist wie die Liebe selbst.
Weitere Aufführungen des Stücks, das ab 13 Jahren empfohlen wird, sind am Freitag, 3., Samstag, 4., Donnerstag, 9., Freitag, 10., Samstag, 11., Freitag, 17., und Samstag, 18. Februar. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Lotto-Toto Engels in Kaufbeuren (Hafenmarkt 5, Telefon 08341/2313) sowie an der Abendkasse.