Zu Beginn dieses Theaternachmittags gibt es in den gefüllten Rängen des Wangener Zunftwinkels noch manchen skeptischen Blick gen Himmel - viele haben ihre Regencapes griffbereit. Nach einer Begrüßung durch Festspiel-Intendantin Sabine Lorenz will Oberbürgermeister Michael Lang noch die wichtige Frage klären, wie Pippi denn nun wirklich heiße. Die beinahe einstimmige Antwort aus dem Publikum: «Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraims Tochter Langstrumpf.»
Dass dieser Name die lebensfrohe Verrücktheit seiner Trägerin noch lange nicht ausreichend beschreibt, ist offensichtlich. Pippi, dargestellt von Elisabeth Ebner, verfasst vor der von Kinderhand gemalten Kulisse der Villa Kunterbunt einen Brief an sich selbst - da sie sonst ja keine Post bekommt. Im Kopfstand denkt sie über die passenden Worte nach.
So beginnt das erste von vielen Abenteuern, das sie mit ihren besten Freunden erlebt. Als Tommy und Anika stehen die Wangener Kinder Lukas Dahlinger und Judith Schellmann auf der Bühne, die ihrer wilden Freundin Pippi an Schlagfertigkeit und Einfallsreichtum kaum nachstehen.
Diese schlägt - wenn bei all dem Geschichtenerfinden noch Zeit bleibt - ein Rad nach dem anderen und wackelt mit den Zehen, bis diese wehtun. Immer mit dabei ist der Kapuzineraffe Herr Nielson (Jörg TiM Willhelm). Zu jedem Thema hat das freche Tier eine Meinung, es kreischt und kommentiert und erweist sich als äußerst musikalisch. Wenn aber Herr Nielson auch nur kurz aus den Augen gelassen wird, nutzt er die Gelegenheit, um sich ins Publikum zu stürzen.
Doch nicht allein die Schauspieler, unterstützt von einer singenden, tanzenden Kindergruppe, halten das Stück durch gekonnte Slapstickeinlagen, Wortspiele, Tanz, Musik und Witze am Laufen. Auch das Publikum muss mitmachen - das tut es mit Begeisterung.
An das Wetter denkt irgendwann keiner mehr der 200 Gäste, und als Pippi und ihre Freunde schiffbrüchig auf einer Insel landen, singen, klatschen und stampfen alle gemeinsam den Rhythmus des Timbuktianischen Tanzes, der Bisons und Pythonschlangen fernhält. Wer könnte auch dem Temperament des Latzhosen tragenden, trommelnden Affen Herr Nielson widerstehen oder der Überzeugungsgabe der rothaarigen, frechen, vor Freude sprühenden Pippi: «Gute Nacht» schreibt man mit einer «8» und zwei mal drei gibt vier - ganz logisch!
Als die etwa zweistündige Aufführung zu Ende ist, scheinen einige Theaterbesucher fast ein bisschen traurig zu sein ob der Erkenntnis, wieder in die Erwachsenen-Welt zurückkehren zu müssen. Und zwar ganz sicher nicht nur Kinder.
Weitere Termine: 5., 6., 7., 12., 13., 14., 19., 20., 21., 26., 27., 28. August, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es im Gästeamt, (07522) 74-211.