
Der von Britten 1942 während der Überfahrt von den USA nach England komponierte Weihnachtslieder-Zyklus ist eine Herausforderung an das Können professioneller Vokalensembles. Mit der Einstudierung dieses diffizilen Werks bewiesen Irene Bonelli, die junge Leiterin des großen Laienchores, Tatkraft und beachtlichen Mut, die Vokalisten Einsatzbereitschaft und Durchhaltevermögen.
Mit dem „Cantate Domino“ (Psalm 97) von Giuseppe Pitoni (1657 - 1743) gefolgt von zwei besinnlichen Sätzen von John Rutter (geboren 1945) und Bob Chilcott (geboren 1955) spannte die Chorserenade eingangs einen weiten Bogen vom Barock bis zu den zeitgenössischen Vokalkompositionen und öffnete so die Ohren der Besucher auch für die Klangbilder der Werke des 20. Jahrhunderts.
Die Engelschar jubelt
Wie ein kostbarer Rahmen umfasste die von den Frauenstimmen im hohen Diskant vorgetragene gregorianische Vesper-Antiphon „Hodie Christus natus est“ im Einzug („Procession“) und im Auszug („Recession“) die in Töne gesetzten weihnachtlichen Bilder der Carols mit Texten aus dem 14. Jahrhundert: Ein vierstimmiges Willkommen begrüßte das göttliche Kind beim „Wolcum Yole“.
Mit Rücksicht auf das schlafende Jesuskind schwebte der folgende Satz („There is no Rose“) im zarten Piano durch den Raum, bis die Engelschar jubelnd ihr strahlendes Gloria anstimmte. Von zarten Harfenklängen begleitet ließ ein Sopranquartett eine Krippenszene aufleuchten: Maria wiegt ihr Kind in den Schlaf.
Im filigranen vierstimmigen Chorsatz „Balulalow“ versprachen die Sänger, das Jesuskind im Herzen zu wiegen. Ein kräftiges, vielfach wiederholtes „Deo Gratias“ beschloss den vielfarbigen Zyklus alter englischer Weihnachtslieder.
Die Harfenistin Anja Heinz-Civelek meisterte ebenso gekonnt wie einfühlsam die anspruchsvolle Begleitung der Chorsätze. Im „Interlude“ beeindruckte die Künstlerin durch ihr brillantes Solospiel.
Der Kontrast zwischen dem schlichten Abendlied („O du stille Zeit“) – als Zugabe zum Abschied gesungen – und dem Programm des Abends machte den Hörern noch einmal die glänzende Leistung des Ensembles bewusst. Reaktion der Musikfreunde: Beifall im Stehen.