
In einer entspannten Atmosphäre haben einige Elftklässler des Bernhard-Strigel-Gymnasiums die Möglichkeit, das Streichquartett und den Oboisten Ramón Ortega Quero in einem Gespräch im Kleinen Saal der Stadthalle kennen zu lernen.
Gespräch bedeutet in diesem Fall kein einseitiges Fragenstellen der Schüler an die Musiker, sondern auch großes Interesse der Künstler am musikalischen Werdegang der angehenden Abiturienten.
Durch die Begegnung führen die Zwillingsbrüder Andreas und Markus Fleck – Letzterer hat das Gymnasium nach der elften Klasse abgebrochen hat, um sich ganz auf seine Karriere als Musiker zu konzentrieren. Nach seinem Erfolgsrezept, mit dem er es trotzdem zu Berühmtheit und einem „Echo“ gebracht hat, fragen die Schüler deshalb.
Die Antwort: Man nehme sehr viel Leidenschaft, musikalische Offenheit, ein wenig Bühnenpräsenz, Talent, Fleiß, Durchhaltevermögen und Spontanität.
„Ruft zum Beispiel ein berühmter Cellist an und verlangt nach einem Bratschisten für ein Festival, sattelt man eben mal in zwei Tagen von der Geige auf die Bratsche um, ohne bis dahin den speziellen Schlüssel für das Instrument lesen zu können“, sagt Markus Fleck – der seitdem Bratsche im Ensemble spielt.
Ein essentielles Gewürz sei außerdem Zusammenhalt, „Egotrips sind im Quartett nicht möglich, auch die erste Geige muss immer wieder zurück an den Herd und mitkochen.“ Weil man so viel Zeit miteinander verbringe, käme es natürlich auch ab und zu zum Konflikt. „Eigentlich gibt es mehr Gründe nicht zusammenzuspielen, als es zu tun“, sagt Fleck.
Privat eher getrennte Wege
Trotzdem kommen die Geigerinnen Daria Zappa und Rachel Späth und die Zwillinge gut miteinander aus, vermeiden aber gemeinsame private Unternehmungen eher (Rachel Späth und Markus Fleck sind miteinander verheiratet).
Besonders interessiert die Profis die Frage, was Jugendliche davon abhält, klassische Konzerte zu besuchen. Zeitmangel, finanzielle Gründe, Identifikationsschwierigkeiten sowohl mit der Musikrichtung als auch mit dem Durchschnittsalter des Publikums sind die Antworten.
Am Ende gibt es für die Schüler noch eine Kostprobe des „musikalischen Gerichts“: Ein Divertimento für Streichquartett und Oboe vom finnischen Komponisten Crusell. Ein harmonisches, frisches und vielseitiges Hörerlebnis.
Besonders fasziniert dabei das virtuose Spiel des spanischen Oboisten, dem die Juroren des ARD-Musikwettbewerbs schon den selten vergebenen ersten Preis zusprachen. Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis stellt sich vielleicht manchem Schüler die Frage: Warum Abitur, wenn man mit Musik so viel erreichen kann?