Musiker muss man sehen, forderte sinngemäß Igor Strawinsky. Diese Ansicht wurde durch den jungen Klarinettisten im Klarinettenkonzert von Mozart (KV 622) aufs Beste belegt. Seine mitreißende Spielfreude, seine musikalische Gestik und die ausdrucksvolle Mimik waren faszinierend.
Das Orchester war ein aufmerksamer Begleiter, wobei die ausgezeichneten Fagotte hervorgehoben seien. Als Zugabe des Solisten gab es einen Klarinetten-Satz von Igor Strawinsky.
Das Konzert begann mit der Orchesterouvertüre op. 27 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die sich auf zwei Goethe-Gedichte - «Meeresstille» und «Glückliche Fahrt» - bezieht. Das ruhige Adagio führt in langen Spannungsbögen auf eine hübsche kurze Flötenkadenz, um dann im Molto allegro e vivace «Fahrt» aufzunehmen. Das Orchester hat dies sehr schön zum Ausdruck gebracht, und auch die allmähliche Steigerung bis zum Beginn des eigentlichen Sonatensatzes gelang sehr gut.
Insgesamt wurde das effektvolle Werk, fast schon eine «sinfonische Dichtung», ausgezeichnet musiziert.
Rasches Tempo vorgegeben
Der zweite Teil des Konzerts gehörte mit der «Linzer Symphonie» nochmals Wolfgang A. Mozart. Mary Ellen Kitchens gab ein rasches Tempo vor, das insgesamt durchgehalten wurde. Erstaunlich waren wieder die Bläser, insbesondere die Trompeten (Fanfaren) sowie der hübsche Dialog zwischen Oboe und Fagott im Trio. Aber auch die Streicher wussten insgesamt zu gefallen, wenngleich man sich den ein oder anderen Akzent und die Dynamik etwas ausgeprägter gewünscht hätte. Trotz Aufforderung durch die Dirigentin fehlte stellenweise etwas Mut zum beherzten Spiel.
Entsprechend der Tempoangabe («Presto») wurde schließlich das Finale «flott» genommen und nicht nur darin war Mozarts Vorbild Haydn erkennbar. Mary Ellen Kitchens hat keine «Mozart-Idylle» gestaltet. Sie hat es vielmehr bestens verstanden, das Wesen Mozartscher Musik, das jenseits romantisierender Interpretationen liegt, herauszuarbeiten. Als Zugabe war die Ouvertüre zur (letzten) Mozart-Oper «Titus» zu hören.