Dabei lag da, den Auftritt der Vorgruppe „Distroid“ nicht mitgerechnet, bereits eine satte zweistündige Musikshow hinter dem Publikum. Der 42-jährige Harris und seine angelsächsischen Mitstreiter boten nicht nur neues Musikmaterial vom Album „Automatic“, sondern auch etliche ältere Ohrwürmer. Dabei schaffte es Energiebündel Harris, der unermüdlich die Bühne auf und ab lief und seine Späße trieb, stets eine Schippe draufzulegen.
Anfangs schienen sich die mehreren hundert Besucher auf einen eher gemütlichen Konzertabend eingerichtet zu haben. Die Masse bewegte sich zur melodisch eingängigen, elektronischen und mit Samples und Synthesizer angereicherten Musik. Hits wie „Kingdom“ wurden mehr von Schunkeln denn von Tanzen begleitet.
Dieses Schunkeln mündete bei orchestralen Balladen wie „Illusion“ bei den Liebespaaren oft in ein Kuscheln und Knutschen.
„Immer härter, immer schneller“
Die Stimmungssteigerung leitete dann der von rhythmischem Klatschen begleitete Song „Standing“ ein. „Immer härter, immer schneller“ sollte es werden, wie der des Deutschen gut mächtige Ire Harris betonte. Schnelle Texteinblendungen und Flammenzungen auf der Videoleinwand begleiteten die harten, einpeitschenden Beats bei „I hate War“. Der samtweiche Gesang ging streckenweise in ein Röhren über. „Can’t you move your ass?“ forderte Harris die Fans zur Bewegung auf.
Krachende Industrial-Rhythmen (Nemesis) und melodischer Gesang (Dark Angel) wechselten sich ab.
Als nach gut einer Stunde und 15 Minuten das ganze Publikum zu „Control“ tanzte, endete das reguläre Programm. Doch danach spielte „VNV Nation“ über eine halbe Stunde nonstop weiter. Dabei hatten es auch Zugaben wie „Nova“ in sich. Die lebensbejahenden Inhalte der Songs machen deutlich, dass sich auch eine Musikgruppe, die zur Dark-Wave-Szene zählt, nicht einfach in die Schublade „düster“ steckenlässt.
Lieferte eine prima Show: Ronan Harris. Foto: Hermann Ernst