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02.06.2012 · Immenstadt

Thomas Kögel stellt auf seinem Bauernhof in Thanners die erste Milchtankstelle im Oberallgäu auf

Wurst, Käse und Eier gibt es in einem Automaten daneben

Direktvermarkter · „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.“ Das sagt Landwirt Thomas Kögel, wenn man ihn fragt, warum er auf eine neue Art der Direktvermarktung setzt. Seit kurzem brummt und gurgelt es auf seinem Hof in Thanners bei Immenstadt.

Thomas Kögel stellt auf seinem Bauernhof in Thanners die erste Milchtankstelle im Oberallgäu auf
Thomas Kögel stellt auf seinem Bauernhof in Thanners die erste Milchtankstelle im Oberallgäu auf Bild: Bettina Buhl
In einem kleinen Blockhäuschen stehen zwei Automaten, die großen Kühlschränken ähneln. Aus dem einen läuft auf Knopfdruck frische Rohmilch. Aus dem anderen kann man Wurst, Butter, Bergkäse und Eier kaufen. Kollegen sehen laut Kögel die Milchtankstelle und den Wurstautomaten eher skeptisch – Kunden hingegen seien begeistert.

„Die Idee ist einfach super“, sagt Katharina Immler aus Eckarts und lässt frische Rohmilch in eine Flasche laufen. Ihre ganze Familie trinke jeden Tag Milch. Die Automaten seien für sie ideal. „Man weiß, woher die Sachen kommen. Und wenn ich abends noch unerwartet Gäste kriege, kann ich hier schnell alles holen, was ich für eine Brotzeit brauche.“

Rund um die Uhr fließt die Milch aus dem Automaten

Die Idee für die Milchtankstelle hatte Thomas Kögel schon lange im Hinterkopf. Als das skandinavische Unternehmen Arla Allgäuland übernommen hatte und keine Frischmilch mehr verkaufte, machte er Nägel mit Köpfen. Rund um die Uhr kann bei ihm jetzt jeder Frischmilch abfüllen, vorausgesetzt er hat ein passendes Behältnis dabei.

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„Wer sich spontan entschließt, noch schnell Milch mitzunehmen, kann aus dem Wurstautomaten auch Flaschen kaufen“, erklärt Kögel. Dieser Automat gleicht einem Süßigkeitenautomaten, wie man ihn von Bahnhöfen kennt – und funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

Die Milchtankstelle selber hat eine große Edelstahlfront. Hinter einem kleinen Türchen in der Mitte steckt der Zapfhahn. „Die Milch zapft man am Besten so, wie man einen Weizen einschenkt. Hält man die Flasche schräg, dann hat man nur wenig Schaum“, rät der Landwirt.

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Rund 30 Milchkühe stehen bei den Kögels im Stall. Im Jahr produzieren sie circa 190 000 Liter Milch. Die geht in eine Molkerei nach Altusried. Ab sofort werden aber 100 Liter frische Milch täglich gefiltert und in die Milchtankstelle gefüllt. Dort wird sie ständig gekühlt.

Was am Abend nicht verkauft wurde, bekommen die Kälber. Das Besondere an der Milch der Kögels: Sie stammt nur von Kühen mit Hörnern. „Die Hörner gehören einfach zur Kuh. Außerdem ist Hornmilch für Allergiker verträglicher“, sagt Kögel.

Einen eigenen Hofladen hat die Familie nie gewollt

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Mit Direktvermarktung kennt sich der 29-Jährige aus. Seit zwanzig Jahren wird auf dem Hof der Familie Kögel Fleisch und Wurst vermarktet – auf Bestellung. „Wenn wir ein Stück Vieh zum Schlachten bringen, ist das Fleisch schon vorbestellt. Wir liefern es dann zerteilt und verpackt aus.“ Einen eigenen Hofladen dagegen habe Kögel nie gewollt. „Man wäre immer an Öffnungszeiten gebunden – Kunde und Bauer.“

Die Milchtankstelle und der Wurstautomat sind laut Thomas Kögel die Ersten im Oberallgäu. Ähnliche Vorrichtungen gibt es auch im Ost- und im Westallgäu sowie im Landkreis Lindau. Rund 35 000 Euro hat Thomas Kögel in die Verkaufsstelle investiert.

Ob sich die Automaten allerdings auch rentieren, weiß der Landwirt bis jetzt noch nicht. „Zwei Jahre gebe ich ihnen auf jeden Fall.“ Vor allem mit der Milchtankstelle fahre er „volles Risiko.“ Denn seine Milch habe er vor den Automaten noch nicht im großen Stil direkt am Hof verkauft.

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Artikelinfos
AutorBettina Buhl
Veröffentlichung02.06.2012
Aktualisierung01.06.2013 19:57
Ort Immenstadt
Schlagwörterlandwirtschaft, bauernhof, wurst, direktvermarkter
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