Menü Suche Impressum

Ihre Region: 

10.12.2012 · Oberstdorf

Trainer des SC Oberstdorf lernen, wie sie mit ihren Schützlingen erfolgreicher arbeiten können

Körpersprache und Blickrichtung sind wichtig

Mentaltraining · Da hat Clemens Maria Mohr in den nächsten Wochen einiges zu tun, um Tobias Stecher nach seiner erneuten Knieverletzung wieder in die Spur zu bringen. Dabei war Stechert auf einem sehr guten Weg, nachdem sich der 27-jährige Speedspezialist vom SC Oberstdorf in diesem Jahr nach etlichen verletzungsbedingten Rückschlägen in die Hände des Mentaltrainers aus Ofterschwang begeben hatte. Dann gab es für Stechert gleich einen 5.

Mentaltraining
Bild: Elke Wiartalla
Platz in der Abfahrt von Lake Louise und erstklassige Zwischenzeiten bei der Abfahrt in Beaver Creek. „Ohne Mentaltrainer geht es heute fast nicht mehr“, hatte Stechert vor dem Saisonstart erkannt.

Auch beim SC Oberstdorf hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Rennen werden nicht nur mit Talent, gutem Material und hervorragender körperlicher Vorbereitung gewonnen, sondern vor allem im Kopf. Das ist auch der Trainerriege des SCO längst bekannt.

Doch oft ist es mit gutem Zureden nicht getan. Alpintrainer Christian Müller wundert sich dann, dass ein Nachwuchsrennfahrer, der zuvor vor Selbstvertrauen nur so strotzte, auf der Piste den Ski nicht freigeben kann.

anzeige

Und dem Sprungtrainer Ralph Schmid ist es ein Rätsel, dass ein junger Springer mit Leidenschaft dabei ist, fast Kopf und Kragen riskiert, aber im Wettkampf doch nichts reißt.

Keine Fehler in Erinnerung rufen

Über diese Probleme, aber auch um Fragen von Selbstüberschätzung und Zweifeln, von Angst und Adrenalinkick, ging es in dem zweitägigen Seminar, das Mentaltrainer Peter Tümmers von Impulsecompany (ICO) aus Blaichach für die SCO-Trainer (Skisprung, Langlauf und Alpin) anbot.

Auf die Körpersprache und die Blickrichtung der kleinen Athleten zu achten, war dabei die Empfehlung. Wer von einem Bein auf das andere tritt, an dem könne man ganz gut die innere Zerrissenheit ablesen. Und wer Augenkontakt nicht halten kann, sei sicher jemand, der nicht so recht mit der Wahrheit rausrücke, berichtete Tümmers.

Vor Rennen sollten nicht alle Fehler rekapituliert werden, sondern positive Formulierungen überwiegen. „Wenn du als Trainer kurz vor dem Start noch schnell den Tipp gibst, nicht auf den Innenski zu gehen, werde genau das passieren“, prophezeite Tümmers.

Der Mentaltrainer erläuterte den Zusammenhang von schweren Stürzen und dem anschließenden „Verweigern“ in vergleichbaren Situationen, ausgelöst von sogenannten „Triggern“, den Schlüsselreizen. Das Gehirn speichere nicht Gedanken, sondern Bilder, sagte Tümmers. Mentales Training könne helfen, unschöne Erinnerungen in ein unwichtiges Eck des Gesichtsfeldes zu schieben.

Bilder, die Momente von Erfolg und Glück ausdrücken, können dagegen zentral abgelegt und vor großen Herausforderungen hervorgeholt werden, am besten direkt vor die Nasenspitze. Die Sprungtrainer Catrin Schmid, Christian Raimund und Ralph Schmid, Langlaufscoaches Alois Hartmann und Andreas Huber sowie die alpinen Kollegen Christian Müller und Stefan Kobler steuerten nicht nur viele Erfahrungen aus dem Trainingsalltag bei, sondern machten auch ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit mentaler Schulung.

Am Ende des Seminars ging es hinauf in den Sky-Walk-Park in der Erdinger- Arena. Alle, auch die Skeptiker, trauten sich hinauf auf einen zehn Meter hohen wackligen Baumstamm, gesichert zwar, aber am Ende frei stehend. Mentales Training kann schon im Nachwuchsbereich eine Menge Positives bewirken, davon waren die SCO-Trainer nach dem Seminar überzeugt.

anzeige
Ihre Meinung
Artikelinfos
Autorwir
QuelleAllgäuer Anzeigeblatt
Veröffentlichung10.12.2012
Aktualisierung23.10.2013 15:28
Ort Oberstdorf
Schlagwörtertrainer, lernen, kinder, mentaltraining, sc oberstdorf, arbeit
anzeige

anzeige