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02.08.2012 · Heimenkirch

Silvia Ochsenreiter-Egli arbeitet seit 1999 hauptberuflich mit Islandpferden

„Ein Pferd lässt sich nicht ein- und ausschalten“ – Islandpferde noch nicht bei Olympia

Reiten · Mit Pferden kennt sich Silvia Ochsenreiter-Egli aus. Die 35-Jährige arbeitet seit 1999 hauptberuflich mit Islandpferden. Auf dem Hof Hafnersholt in Mothen (Heimenkirch) kümmert sie sich vor allem um Unterricht, Beritt und Verkauf. Von 2001 bis 2010 war sie Mitglied im Bundeskader des Islandpferdedachverbandes IPVZ. Sie ist mehrfache deutsche Meisterin und trainierte vier Jahre lang auch den Schweizer Jugendnationalkader. „Unser Verband arbeitet daran, dass Islandpferde auch bald bei Olympia starten dürfen“, sagt Silvia Ochsenreiter-Egli.

SIlvia Ochsenreiter
Bild: Ulrich Neddens

Die Pferdesportarten Springen und Dressur dürften den meisten unserer Lesern bekannt sein. Im Vielseitigkeitsreiten, auch genannt Military, haben die Deutschen ihre erste Goldmedaille geholt. Welche Disziplin ist Ihrer Meinung nach die anspruchsvollste?

Silvia Ochsenreiter-Egli: Technisch am anspruchsvollsten ist in meinem Augen für das Pferd die Dressur und für den Reiter die Military. Hier muss er in allen drei olympischen Disziplinen fest im Sattel sitzen und über sehr gute körperliche und mentale Fittness verfügen.

Kann grundsätzlich jedes Pferd jede der drei Disziplinen ausüben?

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Ochsenreiter-Egli: Das ist eine Frage des Trainings. Ein Pferd, welches im Military vorne mitläuft, ist in den seltestens Fällen ein Star im Dressurviereck, aber durchaus ein guter Springer und Sprinter. Für welche der drei Disziplinen ein Pferd am besten geeignet ist, entscheiden neben dem Charakter auch das Temperament und Exterieur sowie natürlich die genetische Veranlagung und die frühzeitige Förderung. Grundsätzlich ziehe ich ein vielseitig ausgebildetet und veranlagtes Pferd einem Spezialisten vor.

Wie lange dauert es, bis ein Pferd wettbewerbsfähig ist?

Ochsenreiter-Egli: Je länger man sich mit der Grundausbildung Zeit lässt, umso besser. Im Dressursport werden Spitzenleistungen oft erst von 15-jährigen und älteren Pferden erbracht. Beim Springsport kommt es nicht selten vor, dass Pferde zu früh „verheizt“ werden und nicht bis ins hohe Alter leistungsfähig bleiben. In meiner Disziplin, dem Islandpferdereiten, dürfen die Pferde erst starten, wenn sie mindestens fünf Jahre alt sind. Die mir anvertrauten Pferde baue ich sehr sorgfältig auf und habe so zum Beispiel mit meinem aktuellen Turnierpferd „Heljar frá Stóra-Hofi“ vor einer Woche den vierten Platz im Fünfgang bei der Deutschen Meisterschaft im Saarland belegt. Mit fünf Jahren wurde er angeritten und sechsjährig habe ich ihn in Island gekauft. Er ist jetzt neun Jahre alt und hat seine Grenzen noch lange nicht erreicht.

Was kostet ein Pferd?

Ochsenreiter-Egli: Je nach Rasse und Eignung bestehen große Unterschiede. Ein gutes Islandpferd für den Freizeitsport gibt es ab etwa 5000 Euro. Nach oben landet man nicht selten im sechsstelligen Bereich. Das Teure am Reitsport ist jedoch nicht die Anschaffung des Pferdes, sondern der Unterhalt. Egal, ob ein Pferd billig oder teuer war, Futterkosten und die Kosten für Hufschmied und Tierarzt sind immer in etwa gleich hoch. Ein Pferd kann gut 30 Jahre alt werden. Das sollte beim Kauf nicht vergessen werden.

Im Reitsport sind oft Sportler jenseits der 40 bei Olympia dabei oder erfolgreich. Welche Rolle spielt das Alter bei dieser Sportart?

Ochsenreiter-Egli: Reiten ist eine Disziplin, die man bis in das hohe Alter ausüben kann. Ein gutes Bespiel ist der über 70-jährige Dressurreiter Hiroshi Hoketsu, der für Japan bei Olympia startet. Auch wenn er eine Ausnahme darstellt, zeigt dies doch auf, dass Reiten eine Sportart ist, welche Körper und Geist jung hält und weniger von Kraft, sondern vielmehr von Technik und Balance abhängig ist. Auch die Queen von England steigt mit ihren 86 Jahren noch regelmässig selbst in den Sattel.

Und ab welchem Alter sollte man frühestens anfangen?

Ochsenreiter-Egli: Ernsthaft beginnen sollten die Kinder ab sechs oder sieben Jahren. Wichtig sind sichere, gut ausgebildete Schulpferde und ein erfahrener Reitlehrer. Im Alter von fünf Jahren oder jünger fehlt den Kindern oftmals die Koordinationsfähigkeit und die mentale Stärke für eigenständiges Reiten. Ein Pferd ist keine Maschine, welche sich ein- und ausschalten lässt. Es braucht eine klare Führung durch einen „ranghöheren“ Reiter. Ist ein Kind hierzu fähig, kann es egal in welchem Alter mit dem Reiten beginnen.

Alle vier Jahre steht Reiten bei den Olympischen Spielen im Fokus, sonst führt die Sportart eher ein Schattendasein. Woran liegt das?

Ochsenreiter-Egli: Es gib sicherlich zahlreiche Gründe dafür. Ein Hauptpunkt ist die eher schwache Lobby des Reitsports und die Tatsache, dass es größtenteils eine Sportart für Menschen mit höherem Einkommen ist. Zumindest, was den Kauf eines eigenen Pferdes anbelangt. Außerdem sind beim Reitsport sind viele Einzelkämpfer unterwegs. Es entwickelt sich nicht dieselbe Gruppendynamik bei Aktiven und Fans wie zum Beispiel in den Mannschaftssportarten Fußball und Handball.

Sie arbeiten vor allem mit Islandpferden. Diese sind bei Olympia nicht zu sehen. Weshalb?

Ochsenreiter-Egli: Unser Verband arbeitet daran. Wir sind mit unserem Sport aber eine klare Randgruppe. In Deutschland gibt es über 1,6 Millionen Reiter. Unser Islandpferdedachverband IPZV hat gerade einmal 22 000 Mitglieder und etwa 60 000 im Verband registrierte Pferde.

Wie stark verfolgen Sie Reiten bei den Olympischen Spielen?

Ochsenreiter-Egli: Leider bleibt mir zum Fernsehschauen meist keine Zeit, aber ich verfolge gespannt die Ergebnisse in den Printmedien und freue mich besonders über die aktuellen Erfolge der Deutschen Vielseitigkeitsreiter.

Interview: Benjamin Schwärzler

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Artikelinfos
Autoraz
Veröffentlichung02.08.2012
Aktualisierung17.04.2013 09:11
Ort Heimenkirch
Schlagwörterpferd, olympia, reiten, interview
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