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31.12.2011 · Kaufbeuren

Trotz ihrer modernen Musik und aufwendigen Show unterhalten „In Extremo“ mit dem Charme mittelalterlicher Vaganten

Zeitlose Spielleute

Konzert · Wer vom Advents- und Weihnachtsgeklingel nach den Feiertagen endgültig genug hatte, der war beim Gastspiel von „In Extremo“ in Kaufbeuren bestens aufgehoben.

In Extremo Karthalle
Bild: Mathias Wild
Die sieben Mittelalter-Rocker putzen den Fans, Nestflüchtern und sonstigen Zuhörern, die die Karthalle fast ganz füllten, ordentlich die Ohren durch. Gut gelaunt, mit viel Pyrotechnik und noch mehr musikalischen Krachern machten „In Extremo“ ihrem Ruf als moderne Spielleute alle Ehre. Dabei war der Start des Konzerts, mit dem der hiesige Traditionsveranstalter „Rockabend Concerts“ auch sein 25-jähriges Bestehen feierte, alles andere als vielversprechend.

Die holländische Band „Nemesea“ bot ein recht krudes Durcheinander an modernen Metal-Einflüssen, und Frontfrau Manda eiferte dem Sopran-Rock von „Nightwish“ nach, ohne die rechte Stimmgewalt dafür zu haben.

Doch das war schnell vergessen, als der Countdown für den „In Extremo“-Auftritt auf der Videowand heruntergezählt wurde.

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Funken sprühende Kometen schossen (natürlich an Seilen) quer durch die Halle und sofort setzte der typische Sound der Gruppe ein: Ein kraftvolles Grunddonnern aus klassischem Schlagzeug, E-Gitarre und Bass, bereichert und verfeinert durch Dudelsäcke, Drehleiern, Lauten und allerlei andere mittelalterlichen Instrumente. Bei einer solchen Zusammensetzung ist der Tonmeister nicht zu beneiden. Doch er schaffte es in der Karthalle fast durchweg, die Balance zwischen den Instrumenten zu halten, ohne dass Klang allzu künstlich gewirkt hätte.

Trockener Humor

Dass man „In Extremo“ trotz aller Show und Bühnentechnik als wilden Spielmannshaufen wahrnimmt, liegt nicht nur an den zum Teil ausgefallenen Klamotten, die irgendwo zwischen Tänzelfest und „Mad Max“ liegen, sondern vor allem an dem Spaß, der auf der Bühne herrscht. Die Sieben sind eben die Gaukler und Vaganten, die sie so gerne besingen, – allen voran Frontmann Michael Robert Rhein, alias „Das Letzte Einhorn“. Dem war zwar etwas anzuhören, aber kaum anzumerken, dass die Band fast das gesamte Jahr über auf Tour war. Vor allem traut man dem Sänger mit dem trockenen Humor zu, dass er schon einiges von dem durchlebt hat, was er da in den Liedern von Wein, Weib und Gesang berichtet.

So kamen die Lieder, deren Texte zum Teil auf alten Vorlagen aus ganz Europa basieren, angemessen herb, aber musikalisch doch astrein über die Rampe. Selbst bei den noch nicht so bekannten Nummern aus dem aktuellen Album „Sterneneisen“ geriet die bunte Zuhörerschaft schnell in Wallung. Als dann – unterstützt von knallenden Feuerfontänen oder auch von einem leisen Harfen-Intro – „In Extremo“-Hits wie „Vollmond“ oder der „Spielmannsfluch“ erklangen, hatten die wilden Spielmänner ein ebenso wildes Publikum vor sich.

Bei „Viva la vida“ fühlte man sich gar in ein Konzert der „Toten Hosen“ zurückversetzt, als diese noch nicht ihre altkluge Altersphase erreicht hatten. Entsprechend rackerten die Musiker von „In Extremo“ redlich, sprangen mühelos zwischen „Rammstein“-Härte und Minnesang hin und her und ließen es an Zugaben nicht mangeln. Unter tosendem Applaus verbeugten sich die Sieben am Ende vor den Fans und erhoben die Trinkhörner, die ihnen die stilechte Anhängerschaft zugeworfen hatte.

Ganz und gar konnte man sich dem weihnachtlichen Geschehen übrigens auch beim Konzert nicht entziehen: Mit „Ave Maria“ erklang eine alte Fassung des Magnifikat, der Verkündigung des Engels an Maria. Allerdings dürfte selbst dem, der in den vergangenen Wochen sämtliche Adventskonzerte im weiten Umkreis besucht hat, keine so knackige Vertonung des biblischen Textes zu Ohren gekommen sein.

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Artikelinfos
AutorMartin Frei
Veröffentlichung31.12.2011
Aktualisierung16.04.2013 12:53
Ort Kaufbeuren
Schlagwörtermusik, show, konzert
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