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30.05.2012 · Isny

Musica Sacra in Isny – Ergreifendes, zeitgenössisches Requiem

Die Intensität religiöser Musik

Konzert · Was für eine Bereicherung für die Region, dass Musica Sacra International zuverlässig auch Isny besucht. Wo sonst ist die spirituelle Musik anderer Kulturkreise so authentisch zu erleben? Die Marktoberdorfer Organisatoren des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals legen bei der Auswahl der Ensembles aus der ganzen Welt viel Wert auf musikalische Qualität – nicht weniger aber auf den inhaltlichen Gehalt der Programme.

Die Intensität religiöser Musik
Die Intensität religiöser MusikBild: klaus-peter mayr
Denn Musica Sacra sieht sich als Förderer des interreligiösen Dialogs. In der Isnyer Kirche St. Anna reihten sich am Montagabend drei beeindruckende Erlebnisse aneinander: volkstümliche Weihnachtsgesänge aus Lateinamerika von Gaspar Fernandes (1566 bis 1629), spirituelle Musik des Jahrtausende alten Zoroaster-Kults aus Persien und ein zeitgenössisches Werk für Chor und Big Band – das Requiem von Steve Gray (1944 – 2008).

Die üppige, kraftvolle Komposition entstand, als der Engländer den eigenen, frühen Tod schon vor Augen hatte. Interpretiert wurde es von zwei ausgezeichneten Ensembles: dem bayerischen Landesjugendjazzorchester (Leitung Harald Rüschenbach) und einem Zusammenschluss des Münchner „via nova choir“ und des „don camillo chor“. Geleitet wurde die Aufführung von deren Dirigent Florian Helgath.

Grays Requiem verlangt vor allem der Big Band Ungewohntes ab. Sie ist hier als sinfonisches Orchester gefordert; freie Improvisation ist nur vereinzelt vorgesehen.

In diesen seltenen Momenten aber entfalten sich herrlich die Virtuosität und Kreativität der jungen Musiker, die Solisten formulieren die existenziellen Themen des Werks ideenreich aus. Für diese Themen zwischen Angst und Schmerz wie auch Hoffnung und Jenseitsahnung hat Gray eine sehr direkte Sprache gewählt.

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Er nutzt die Suggestivkraft der Kirchenmusik – vom mittelalterlichen Choral bis zur romantischen Messe – ebenso wie die Eindringlichkeit von Rock und Jazz, lässt Sänger und Musiker in wütenden Crescendi auch mal schreien und beben, um sich dann wieder auszuruhen in schlichten Melodien und vertrauter Harmonie. Das Publikum war tief berührt von dieser Musik.

Fast konträre religiöse Anliegen behandeln die Stücke, die Gaspar Fernandes um 1600 geschrieben hat. Das Weihnachtsgeschehen wird hier in witzigen, dialogischen Liedern verhandelt. Ob einer der Drei Könige Portugiese sei, streiten sich beispielsweise zwei Sänger.

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Die famosen Sänger und Instrumentalisten der Grupo de Canto Coral aus Argentinien interpretieren diese mit indianischen Akzenten versetzten Renaissance-Lieder mit Temperament, Witz und profilierten Stimmen.

Fremder mutet die Musik der persischen Musikerin Maryam Akhondy und ihres iranisch-deutschen Ensembles Barbad an. Die feierlichen Gesänge Akhondys wie auch die intensiven, fast wilden Improvisationen der Musiker versetzen die Zuhörer in eine meditative Grundstimmung, die sie die Tiefgründigkeit der fremden Religion erahnen lässt.

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Maryam Akhondy präsentierte mit dem deutsch-iranischen Ensemble Barbad religiöse Musik des Zoroaster-Kults. Dieser geht auf Zoroaster (auch: Zarathustra zurück, dessen Lebzeit irgendwann zwischen 6000 und 300 vor Christus war und der als Begründer der monotheistischen Religionen gilt.

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Artikelinfos
AutorIngrid Grohe
Veröffentlichung30.05.2012
Aktualisierung25.10.2013 16:02
Ort Isny
Schlagwörterfestival, religion, konzert
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