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22.02.2012 · Kempten

Interview mit Itchy von „Culcha Candela“ - Konzert am 12. März in Kempten

„Sarrazin und Bushido sind Rattenfänger armer Seelen“

Interview · Hamma!, Schöne neue Welt, Monsta, Somma im Kiez, Hungry Eyes, Wildes Ding - die Hitliste der 2001 gegründeten Reggae-Hip-Hop-Formation Culcha Candela ist lang. Im März 2010 lockte die Berliner Band 6500 Fans in die Big Box. Am 12. März kommen die fünf Sänger Itchy, Johnny Strange, Larsito, Mr. Reedoo, Don Cali und DJ Chino wieder nach Kempten. Wir unterhielten uns mit Itchy über die Anfänge der Band und wie wichtig Integration ist.

„Sarrazin und Bushido sind Rattenfänger armer Seelen“
„Sarrazin und Bushido sind Rattenfänger armer Seelen“Bild: katja kuhl

Itchy, Culcha Candela bespielt heute die großen Hallen der Republik. Wie war das aber vor elf Jahren?

Itchy: Am Anfang haben wir unsere eigenen Auftritte veranstaltet. Wir haben einmal im Monat in Berlin selber Partys gemacht, mit DJs und Live-Auftritten. Die Party haben wir immer Culcha Candela genannt. Ich habe damals fast jede Nacht Plakate geklebt und Flyer verteilt.

Mit Culcha Candela haben Sie mittlerweile über 2,2 Millionen Tonträger verkauft. Ihre bislang fünf Alben haben teilweise Gold- und Platinauszeichnungen. Sind Sie glücklich?

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Itchy: Ich bin so glücklich wie noch nie. Und die letzten zehn Jahre waren die bisher schönsten in meinem Leben bisher. Das Besondere ist, dass ich seit Jahren das machen kann, wovon ich geträumt habe.

Sie sind Songwriter, Produzent, Rapper. Spielen Sie auch Instrumente?

Itchy: Ich habe ein paar Instrumente bei mir zu Hause rumstehen und bringe mir ein paar Sachen selber bei, Klavier oder Gitarre. Aber ich hab’s nicht wirklich gelernt.

Alle Mitglieder von Culcha Candela haben einen Migrationshintergrund. Sie selber kamen im Alter von sieben Jahren von Polen nach Berlin. Auf dem neuen Album „Flätrate“ sind die meisten Songs auf Deutsch. Wie wichtig ist für Sie Integration?

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Itchy: Ich lebe in Berlin und weiß, dass es hier viele Leute gibt, die sich nicht integrieren. Ich kann für mich nur sagen: Ich bin hergekommen und für mich war es das Allerwichtigste, erst einmal die deutsche Sprache zu erlernen. Wer die deutsche Sprache nicht kann, und da braucht es keinen Thilo Sarrazin, der ist nicht integriert. Von diesen Menschen gibt es leider, leider noch viel zu viele. Wenn ich irgendwohin gehen will, in irgendein Land auf der Welt, dann ist es doch klar, dass ich dort die Sprache lerne und mich den Sitten anpasse. Ich wandere ja auch nicht nach Saudi-Arabien aus und gehe dann im String-Tanga über die Straße.

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Apropos Thilo Sarrazin: In seinem umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab“ geht er gerade mit Migranten hart ins Gericht …

Itchy: Leute wie Thilo Sarrazin sind mir ehrlich gesagt egal. Die haben Geltungsbedürfnis und möchten Bücher verkaufen. Ist auch okay. Was mich viel mehr schockiert, das sind die Leute, die solche Bücher kaufen. Darüber müsste man sich mal Gedanken machen. Und was mich noch mehr schockiert ist, dass die gleichen Leute, die Thilo Sarrazin supporten wahrscheinlich auch alle Bushido-CDs zu Hause haben. Sarrazin und Bushido sind Rattenfänger von armen Seelen. Sie sind vermeintlich auf gegenüberliegenden Seiten, doch im Grunde sind sie Brüder im Geiste. Wir von Culcha Candela stehen für ein friedliches Miteinander. Und nicht für irgendeine Art von Ausgrenzung und Radikalisierung wie diese beiden.

Die Allgäuer Zeitung organisiert gerade einen Wettbewerb für Bands. Haben Sie Tipps für junge Musiker?

Itchy: Das Allerwichtigste ist es, gute Songs zu haben. Das ist das A und O. Ein Song legt das Fundament. Dann muss man eine gute Live-Show haben. Die kann man sich nicht aus dem Internet saugen, kann man nicht kopieren. Sie macht einen einzigartig und unterscheidet einen von den anderen. Wichtig ist es drittens, den Willen zu haben, das durchzuziehen, an sich und seine Musik zu glauben. Viertens muss man im Internet präsent und gut vernetzt sein.

Im aktuellen Album-Titelsong prangern Sie die Flatrate-Mentalität an ...

Itchy: Alles jederzeit unbegrenzt haben zu wollen, das finde ich nicht gut. Es ist alles sehr schnelllebig geworden und die Flatrate-Mentalität ist überall präsent.

Culcha Candela unterstützt auch soziale Hilfsprojekte wie „Afrika Rise“ oder „Action Kidz“ …

Itchy: Seit dem ersten Tag. Wir wollen einfach auch sozial verantwortliche Bürger sein. Das wollten wir schon, als uns nur fünf Leute gehört haben. Und daran hat sich auch jetzt nichts geändert. Interview: Michael Dumler

Karten für das Konzert von Culcha Candela am Montag, 12. März (19.30 Uhr), in der Big Box in Kempten gibt es in den Service-Centern unserer Zeitung. Als Vorband tritt die Gruppe Neoh auf.

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Artikelinfos
Autoraz
Veröffentlichung22.02.2012
Aktualisierung17.04.2013 09:09
Ort Kempten
Schlagwörterkonzert, interview
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