Maierhöfen Ape heißen die italienischen Kleintransporter, übersetzt also «Biene». Preiswert sind sie und Kult. Eine Fangemeinde in ganz Europa gibt es, die sich regelmäßig trifft und Erfahrungen austauscht. Besonderes Aufsehen erregt seit einigen Monaten ein Westallgäuer in dieser Szene und längst darüber hinaus: Hendrik Hojer aus Maierhöfen hat sich das Dreirad-Auto nämlich zum Wohnmobil umgebaut und war damit bis an die Nordsee unterwegs.
Verschiedene Ape-Modelle bietet der italienische Hersteller Piaggio an. Die leistungsschwächste Variante hat gerade einmal zwei PS. Doch die reichten aus, um bei Hendrik Hojer die Leidenschaft für die Mini-Transporter zu wecken. Über das Internet knüpfte er Kontakte zu Gleichgesinnten und fuhr mit seinem Gefährt auch zu einem Ape-Treffen in Thüringen.
Dort lernte er seine Lebensgefährtin Natascha Gräfe kennen, die seinen «Tick» teilt. Beiden war klar: Jetzt muss ein anderes Modell her mit zwei Sitzplätzen. 2009 war es so weit: Ein 28 Jahre alter Oldtimer mit stolzen 216 Kubik, 10 PS und 35000 Kilometern auf dem Tacho wurde gekauft.
Wenig später entdeckte Hojer bei einem Händler einen sehr ungewöhnlichen Aufbau in Form eines Wohnmobils. Er war jahrelang zu Werbezwecken genutzt worden, aber in keiner Weise ausgebaut. «Den muss ich haben», wusste Hojer und war bald handelseinig. Zwei Wochenenden lang schweißte er zunächst einen Hilfsrahmen an die «Ape». Dann folgte der Einbau einer Tür und der Fenster, anschließend begann der Innenausbau.
In dem insgesamt nur 1,75 Meter breiten, 3,90 Meter langen und 2,10 Meter hohen Mini-Wohnmobil fanden nach und nach Betten, Stauräume, ein Waschbecken und sogar eine Toilette ihren Platz. Strom steht dank eingebautem Spannungswandler ebenso zur Verfügung wie ein 30-Liter-Frischwasser- sowie ein Abwassertank. Zwei Batterien sind eingebaut - eine versorgt die eigentliche Auto-Elektronik, die andere den Wohnmobil-Teil. Über 100 Stunden haben Hendrik Hojer und Natascha Gräfe investiert.
Pünktlich zum «Anknattern», also zum Saisonstart, war das Wohnmobil Anfang April fertig. Zunächst wagten sich die beiden Westallgäuer nur in die nähere Umgebung. Doch vor einigen Wochen ging es dann auf große Tour. In mehreren Etappen fuhren sie an die Nordsee.
Obgleich sie mit dem 10-PS-Gefährt und dessen Höchstgeschwindigkeit von 63 Stundenkilometern theoretisch auf der Autobahn fahren dürfen, suchten sie weniger befahrene Seitenstraßen. «Da sieht man was von der Landschaft, da nimmt man was wahr», berichtet Hojer. Immer wieder unterbrachen kleinere Probleme die Fahrt. So musste sogar der Tank neu platziert werden. Um die Reichweite zu erhöhen, wurde eigens ein Tank aus einem DDR-Trabi eingebaut. Dennoch rollt das Mobil häufig zur Tankstelle: zwischen 11 und 13 Litern verbraucht der Zwei-Takter auf 100 Kilometern.
Für das nächste Jahr haben Hojer und Gräfe wieder eine Tour geplant: in die Schweiz. Bergauf schafft ihr «Dreirad» gerade einmal 15 Stundenkilometer. In jedem Fall wird es für Hendrik Hojer wieder eine echte Alternative zum Berufsalltag: Den verbringt der Berufskraftfahrer in einem LKW.