Es war vor einem Jahr beim Neuravensburger Burgfest. Es regnete und die für die Bewirtung zuständigen Roggenzeller Musikanten hatten nicht viel zu tun. In ihrer Mitte war Philipp Knill, der bei der Deutschen Botschaft in La Paz arbeitet. Von ihm erfuhren die Musiker von der Hilfsorganisation „Fundación Pueblo“, die sich für die Bildungschancen von Kindern in bäuerlichen Kleingemeinden einsetzt. „Da helfen wir!“, so das spontane Angebot. Das Projekt „Gipfelsturm“ war geboren.
Während Philipp Knill in Bolivien alles vorbereitete, machte man sich in Roggenzell mit den Regeln vertraut, um den bestehenden Rekord von 5545 Höhenmetern zu brechen. „Es galt, mindestens 15 Minuten lang erkennbare Melodien zu spielen“, erklärt Birgit Knill. Und Kollege Jürgen Magino ergänzt: „Die Pausen zwischen den Stücken durften nicht länger als 30 Sekunden, jedes Musikstück musste wenigstens zwei Minuten lang sein.“ Die Bedingung, mindestens zehn zahlende Zuschauer zu haben, wurde sogar übertroffen. „Es waren 14!“, strahlt Birgit Knill.
Bis es aber soweit war, mussten sich die neun Wagemutigen im Alter zwischen 23 und 54 Jahren erst einmal mit der ungewohnten Höhe vertraut machen. In La Paz wurde trainiert. „Bei den Touren ging es immer weiter hinauf“, erzählt Jürgen Magino. Dann kam der 6. August, bolivianischer Nationalfeiertag - und mit ihm der entscheidende Aufstieg.
In der Frühe ließ man sich bis auf 5100 Meter fahren und schaffte die restlichen 900 Höhenmeter in acht Stunden. „Immer Schritt für Schritt und mit viel Essen und Trinken im Gepäck“, wie Birgit Knill berichtet.
„Schneewalzer“ und Ländler
Glücklich oben angekommen, wurden die Instrumente ausgepackt und das „Gipfelprogramm“ absolviert: den „Schneewalzer“ ebenso wie bayerische Ländler und einen eigens von Philipp Knill komponierten Tango zu Ehren des Aco-Tango, dem höchsten von drei Stratovulkanen an der Grenze zwischen West-Bolivien und Nord-Chile. Ebenso glücklich wie „fix und fertig“ kam die Mannschaft wieder unten in La Paz an. Vier Tage später „angefüllt mit unendlich vielen Eindrücken“ trat sie den Rückflug an.
„Seither sind wir aus dem Feiern nicht rausgekommen“, lacht der 23-jährige Magino. Nach einem abendlichen „Dorffest“ gab es einen Frühschoppen unter freiem Himmel. Die Brauerei Farny spendierte 100 Liter Bier , hieß es am Rande des „kleinen Burgfestes“. Und auch, dass der Erlös dem Hilfsprojekt in Bolivien zugute kommt.