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Weiler (Benjamin Schwärzler) | 05.01.2012 00:00 Uhr

Viele entsorgen ihre Christbäume bereits, andere lassen sie bis Lichtmess stehen

Zersägen, schreddern, verbrennen

In (fast) jedem deutschen Haushalt steht zur Weihnachtszeit ein Christbaum. Allerdings verliert der mit Kerzen und Kugeln geschmückte Nadelbaum spätestens dann seinen Glanz, wenn der Kater der Silvesternacht endgültig überwunden ist und die Sternsinger an die Tür geklopft haben. Wohin also mit dem weihnachtlichen Gehölz?
Zersägen, schreddern, verbrennen

„Die ersten Christbäume sind schon da“, sagt Leiter Michael Huff vom Wertstoffhof in Weihers (Lindenberg). Seit Anfang der Woche werden nach und nach ausrangierte Bäume angeliefert und in den Container für Grünabfälle geworfen.

„Das Lametta muss natürlich weg, ansonsten kommen sie so in die Container, wie sie angeliefert werden.“ Etwa 80 Kubikmeter werden jährlich in Weihers angeliefert. Die Christbäume werden geschreddert und vom Zweckverband für Abfallwirtschaft (ZAK) in Kempten als Kompost verwendet, weiß Huff.

Ebenfalls eine sinnvolle Verwendung für alte Weihnachtsbäume hat der 1985 gegründete Funkenclub Langenried, berichtet dessen Vorsitzender Christian Schwärzler. Der etwa 30 Mitglieder starke Verein ist dieses und nächstes Wochenende in Oberreute samt umliegenden Filialen unterwegs, um kostenlos Bäume abzuholen.

Alles, was die Bürger tun müssen, ist diese vor die Haustür zu legen – natürlich auch hier ohne jeglichen Schmuck. Etwa 300 Bäume sammelt der Funkenclub pro Jahr. Weil heuer erstmals im Mitteilungsblatt der Gemeinde inseriert wurde, könnten es diesmal sogar ein paar mehr werden.

„Wir verwenden sie als schöne Krone unter der Hexe“, sagt Schwärzler. Der Funken, dessen Fundament aus Holzpaletten besteht, wird in Langenried heuer am 25. Februar entfacht und soll dann nach altem Brauch den Winter vertreiben.

Der Bauhof rückt an

Auch die Gemeinden, die auf ihren Dorf-, Markt- und Kirchplätzen große Tannen aufgestellt haben, müssen diese wieder entsorgen. In Weiler beispielsweise steht eine große Blautanne gegenüber der Pfarrkirche St. Blasius, die traditionell von einem Bürger der Gemeinde gespendet wird.

Sie muss wohl nächste Woche weichen. Der Bauhof zersägt den Baum und verarbeitet ihn zu Hackschnitzel, die im Frühjahr auf den Grünanlagen der Marktgemeinde ausgebracht werden, berichtet Bauamtsleiter Roland Schlechta. „Manchmal will der frühere Besitzer die Tanne auch zurück“, sagt er.

Ähnlich verfährt die kleinste Westallgäuer Gemeinde, Gestratz: Die Blautanne, die derzeit noch bei der Argenhalle steht, wird Mitte Januar ebenfalls zersägt. „Die Bauhofmitarbeiter haben dafür Verwendung“, sagt Bürgermeister Johannes Buhmann auf die Frage, was mit dem Holz geschieht.

Auch dieser große Weihnachtsbaum wurde gespendet: von einem Bürger aus dem benachbarten Ebratshofen, der dafür keine private Verwendung mehr hatte. „Er musste mit dem Kran aus dem Garten gehoben werden“, erzählt der Bürgermeister.

In vielen katholischen Familien bleiben die Bäume noch eine Weile stehen: bis Lichtmess, die Darstellung des Herren, die 40 Tage nach Heilig Abend am 2. Februar gefeiert wird. „An Lichtmess ist Jesus im Tempel einst erstmals als das Licht der Welt bekannt geworden“, erklärt Pfarrer Johann Mair aus Stiefenhofen.

Bei ihm im Pfarrhof bleibt der Christbaum bis Lichtmess stehen. Allerdings ohne Kerzenschein – dieser wird erst am 2. Februar wieder einmalig entfacht. „Für viele ist das ein lieb gewordener Brauch“, weiß der Geistliche.

Wer seinen Tannenbaum so lange im Wohnzimmer stehen lassen will, hat meist mit den Launen der Natur zu kämpfen: Der Gehölz trocknet aus, die Nadeln fallen ab und der Baum wird kahl. Es gibt allerdings ein paar Tricks, um die Lebenszeit zu verlängern, sagt Andreas Hartmann von der Baumschule Hartmann in Niederstaufen: „Möglichst kühl lagern, täglich Wasser in den Ständer füllen und zusätzlich die Nadeln mit Wasser besprühen.“

Das zögere den Prozess des Austrocknens etwas hinaus. Allerdings sei es ratsam, bereits beim Kauf darauf zu achten, welche Gattung man aufstellt: Die Nordmanntanne, die etwa 80 Prozent der in der Baumschule gezogenen Christbäume ausmachen, sei beispielsweise resistenter als die Blaufichte (etwa 20%). Grundsätzlich sei empfehlenswert, nur frisch geschlagene Bäume anzuschaffen, sagt Hartmann.

Auch seien diejenigen länger haltbar, die gemeinsam mit Erde verkauft werden. Seine Tipps für eine Nutzung nach Weihnachten: „Manche stellen sie auf dem Balkon oder im Garten als Nistplätze für Vögel auf“, berichtet Hartmann. Genutzt würden sie auch als Brennholz, in gehäckselter Form für Garten oder Hackschnitzelheizung oder aber als Nagebäume für Ziege, Pferde, Katzen, Schafe und Hasen.

Ein Patentrezept für möglichst lange Haltbarkeit gibt es offenbar nicht. Zwar sollten es die Bäume nicht zu warm haben, doch in anderen Bereichen gehen die Meinungen deutlich auseinander.

Während Hartmann beispielsweise die Zugabe von Kopfschmerztabletten ins Wasser der Bäume für nutzlos hält, sagt Kreis-Gartenfachberater Peter Brunner über die Verwendung von Zucker: „Das schadet sicher nicht.“



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