
Die unfreiwillige Auszeit 2011, als Organisator Reinhard Heim wegen seines Engagements für das Bezirksmusikfest Oberstaufen abwinken musste und sich niemand finden ließ, der die Veranstaltung auf die Beine zu stellen vermochte, könnte demnach eine einmalige Ausnahme gewesen sein.
„Herr Heim hat mir gegenüber signalisiert, dass er wieder bereit wäre, die Musiknacht zu organisieren“, sagt Felle und ergänzt: „Ich würde es begrüßen, denn die Musiknacht ist einfach eine Institution.“ Einen möglichen Termin gibt es bereits: Mittwoch, 16. Mai, wie immer der Vorabend von Christi Himmelfahrt. Notwendig sei allerdings noch eine Absprache mit den Lindenberger Wirten und Kneipiers.
Vier davon hatten, quasi als Ersatz, kurzfristig die 1. Lindenberger Party- und Kneipennacht mit Livebands und DJs – bei freiem Eintritt – aus der Taufe gehoben. Und auch diese soll es 2012 wieder geben, kündigt Wirtin Barbara Wipper vom „Kura Kura“ ab. Einen Termin gibt es noch nicht, vermutlich aber wird die 2. Party- und Kneipennacht in der zweiten Jahreshälfte stattfinden.
Anfang Juni 2011 erlebte eine weitere Veranstaltung ihre Feuertaufe: das 1. Parknacht-Festival, bei dem trotz Regens rund 500 Besucher im Stadtpark zu Livemusik gefeiert haben. Das Kultur- und Gästeamt hat hier eng mit dem Jugendhaus zusammengearbeitet – ein Glücksfall, findet Felle. „Ohne Jugendhaus hätten wir die Veranstaltung nicht stemmen können“, betont sie.
2012 soll es eine Neuauflage geben – und zwar mit den Erfahrungen der Uraufführung im Gepäck. „Die DJs waren zu laut, das muss man zugeben. Da müssen wir sicher einen Gang runter schalten“, sagt die 34-Jährige mit Blick auf die lärmgeplagten Anwohner.
Dass es wieder Livemusik geben soll, ist klar. Und auch, dass wieder eine etwas bekanntere Band als Headliner auftreten soll – so wie 2011 „The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra“ aus München. Dazu sollen wieder regionale Gruppen kommen. „Wir wollen allerdings weniger Bands auftreten lassen und diese dafür jeweils länger.“ Als Termin stehen der 8./9. Juni fest – jenes Wochenende, an dem auch die Fußball-EM beginnt und an dem samstags die Deutschen gegen Portugal spielen.
Ob das Parknacht-Festival ein oder zwei Tage dauern wird, steht noch nicht fest.
Poetry Slams sehr beliebt
Neben den beiden großen Musikveranstaltungen setzt das Ausgehen in Lindenberg auch kulturelle Akzente. Dazu gehört der Kinoclub Filmriss, der in 2011 über den Daumen gepeilt rund 1000 Filmliebhaber in das Neue Krone Kino gelockt hat.
Auch 2012 sind elf Veranstaltungen geplant – jeweils am dritten Donnerstag im Monat (außer August). Einer der Höhepunkte soll laut Felle das bitterböse Kammerspiel „Der Gott des Gemetzels“ von Roman Polanski mit Christoph Waltz als Fiesling werden, der im Rahmen der Theaterwochen gezeigt werden soll.
Das Stammpublikum beim Kinoclub entspringt der Altersstufe 40+. „Es wäre natürlich schön, wenn mehr Junge kommen würden“, sagt Felle. Deren Interesse liegt nach Erfahrung der Lindenbergerin aber klar in einem anderen Bereich, in dem sich die Stadt in den vergangengenen Jahren stark positioniert hat: Poetry Slams. „Wir haben in Lindenberg eine lebendige Szene“, weiß sie.
Deren Keimzelle ist das Gymnasium. Dort hatten Schüler vor vier Jahren den ersten Dichterwettstreit ausgerichtet. Inzwischen haben sich auch der Stadtpark und das Kesselhaus als Austragungsorte bewährt. „In Studentenstädten kommen oft nur Studenten zu den Slams. Hier ist es bunt gemischt, es sind es auch 30-, 40-, 50-Jährige dabei. Das finden die Poeten klasse“, sagt Felle, die 2012 einen Slam im Rahmen eines Literaturwochenendes oder wieder im Stadtpark plant.
Außerdem will sie mit der neu gegründeten Poetry Slam AG des Gymnasiums zusammenarbeiten. Es geht also zurück zu den dichterischen Wurzeln.
„Kultur im Kesselhaus“ unsicher
Ob die Dichter auch wieder ins Kesselhaus gehen, ist derzeit unsicher – so wie die komplette Veranstaltungsreihe von „Kultur im Kesselhaus“. Die soll im Herbst 2012 zwar wieder stattfinden, doch da noch nicht sicher ist, wann und wie es mit dem geplanten Kulturzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Hutfabrik Reich weitergeht, gibt es hier noch einige Fragezeichen. Mögliche Alternative: Die Kulturtage finden an verschiedenen Orten in der Stadt statt – je nach Art der Veranstaltung.
Termine: Fix gebucht sind zwei Veranstaltungen im Lindenberger Löwensaal: Am 11. Februar kommt Kabarettist Uli Boettcher, am 23. Juni findet nachmittags eine Lesung mit Kinderbuchautor Paul Maar („Das Sams“) statt.