
Überraschend war für alle – Befürworter wie Gegner der Glasturm-Idee von Peter Zumthor – die Eindeutigkeit, mit der die Isnyer sich dagegen aussprachen. Bei einer Wahlbeteiligung von 63 Prozent sind 72 Prozent Gegenstimmen ein deutliches Votum. Einige Gemeinderäte tragen sich deshalb mit Rücktritts-Gedanken.
Auf die Frage, ob er jetzt über einen Rücktritt nachdenke, antwortete Bürgermeister Magenreuter am Abend des gescheiterten Entscheids mit einem klaren Nein. „Ich möchte Isny mit Euch allen weiter voranbringen“, so Magenreuter an die Isnyer. Und er rege alle an, Stadttorgegner wie -befürworter, ihn dabei zu unterstützen.
Die Isnyer Gemeinderatsmitglieder taten sich gestern wohl etwas schwerer, den Blick nach vorne zu richten. 16 von 18 hatten die Zumthor-Idee unterstützt und sich mit Kraft-, Zeit- und teilweise auch Geldaufwand dafür eingesetzt. „Sie haben enorm viel Energie da reingesteckt“, sagt Magenreuter. „Und jetzt fragen sie sich nach der Legitimation des Gemeinderats.
“ Gebhard Mayer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, etwa sagte enttäuscht: „Dann müsst ihr andere in den Rat schicken.“
So sieht es auch Karl Immler, CDU-Fraktionsvorsitzender und Mitinitiator des Projekts. Der Unternehmer hatte im Jahr 2008 den Kontakt zum Schweizer Stararchitekten hergestellt.
„Man hat 100 Möglichkeiten zur Information geboten – und die wurden nicht genutzt. Gleichzeitig hat man dem Gemeinderat Intransparenz vorgeworfen.“ Gegenüber dem Gemeinderat sei das Ergebnis ein Ausdruck des Misstrauens – für die Stadt Isny „eine Dauerschädigung“. „Ich glaube nicht, dass hier noch jemand was Großes machen will“, sagt Immler.
Auch im Westallgäu haben viele Menschen mit Spannung das ambitionierte Zumthor-Projekt verfolgt. Kathrin Felle, Kulturamtsleiterin der Stadt Lindenberg findet es „sehr schade“, dass der Glasturm nicht realisiert wird. „Es kommt nicht so oft ein Zumthor um die Ecke, um in einer kleinen Stadt zu bauen.“
Felle ist überzeugt, dass Städte durch herausragende kulturelle Einrichtungen eine Aufwertung erfahren. Die Kommunen im bayerischen und württembergischen Allgäu arbeiten laut Felle an einem gemeinsamen touristischen Entwicklungskonzept.
„Dabei wird immer wieder deutlich, dass es uns an einem herausragenden Anziehungspunkt fehlt, an einem Leuchtturm sozusagen.
“ Das Isnyer Stadttor hätte ein solcher sein können, ist Kathrin Felle überzeugt, es hätte auch dem in Lindenberg geplanten Kulturzentrum einen Schub geben können.