Daneben hat Röhrl mit seinen ehrenamtlichen Helfern rund 80 Sonderführungen gemacht, in den Sommermonaten kommt das Schaunähen dazu. Der 71-Jährige, der in der Hutindustrie groß geworden ist, erzählt den Gästen nicht nur Geschichten von der Hutfertigung, sondern ganz nebenbei auch von weiteren Sehenswürdigkeiten und lockt sie somit in die Innenstadt. „Die Gastronomie profitiert enorm von den Bussen, die zu uns kommen,“ weiß Röhrl, der auch Heimatgeschichte zu seinen Steckenpferden zählt.
Kulturpreisträger Röhrl ist zur Zeit mit seiner Frau Edeltraud dabei, alle Gegenstände in ein neues Computerprogramm zu inventarisieren. Allein an die 1500 Hüte – die meisten davon im Lager – müssen genau registriert werden.
Eine Arbeit, die außer dem Ehepaar Röhrl künftig wohl kaum noch jemand wird erledigen können, denn dazu sind besondere praktische Kenntnisse aus der Fertigung nötig. „Kaum einer weiß mehr über die Qualitäten, Material, Form und Alter Bescheid“, sagt Röhrl. Zu vielen Sammelstücken wüsste der Lindenberger zudem eine Anekdote zu erzählen.
Auf Flohmärkten und Dachböden
In Mußestunden malt Röhrl Aquarelle, die ungezählte heimische Wohnzimmer zieren. Doch seine Hauptaufgabe sieht der Betreuer im Sammeln aller Gegenstände rund um die Geschichte des Huts. Wenn möglich werden sie sorgsam in Pappkartons verpackt. Dazu zählen zum Beispiel auch Trachtenteile wie Radhauben oder Brautmoden. Diese Leidenschaft führt den Lindenberger auf ungezählte Flohmärkte und Dachböden bei Haushaltsauflösungen.
Es gäbe noch eine Menge Hüte, die noch nicht im Museumsdepot sind, von Damenhüten bis zu Kopfbedeckungen von kirchlichen Würdenträgern. Vor allem Strohhüte, die Massenware bis 1928, sind „sehr anfällig“ und selten erhalten. Damals habe man das Sammeln „noch nicht ernst genommen“, bedauert Röhrl. Das älteste Museums-Schaustück ist ein echter Lindenberger Herrenstrohhut aus dem Jahr 1870.
Für Röhrl sind Hüte „Zeichen, die vom Kopf ausgehen.“ Deswegen kommen Theaterhüte nicht ins Museum, sondern „nur Hüte, die auch eine Geschichte erzählen können, eine Geschichte des Trägers oder der Zeit“. Er sammelt weiter, in der Hoffnung, dass sein jahrzehntealter Traum doch noch bis 2014 in Erfüllung geht: Dass sein kleines, feines und einzigartiges Museum umziehen kann in das dann von Profis geleitete „Reich der Hüte“, im neuen Kulturzentrum, auf dem ehemaligen Gelände der bedeutenden Hutfabrik Reich – dort, wo er 33 Jahre in Lohn und Brot stand und seine Liebe zu den (Damen-)Hüten entdeckte.
Termin: Das Hutmuseum öffnet nach der dreimonatigen Winterpause wieder am Mittwoch, 1. Februar, von 15 bis 17.30 Uhr.