
Wahre Leserbriefschlachten haben sich die an der Stadtentwicklung interessierten Isnyer in den vergangenen Wochen geliefert. Während die einen in dem aufsehenderregenden Stadttor-Plan von Peter Zumthor eine einmalige Chance für Isny sahen, befürchteten die anderen die Verschandelung des historischen Ortsbildes und ein finanzielles Fiasko für die Stadt. Ein Bürgerentscheid setzte gestern den Schlusspunkt unter die Auseinandersetzungen.
Die Stimmung war äußerst angespannt, als gestern Abend im Isnyer Kurhaus die Ergebnisse der ersten Zählbezirke schon bald nach Schließung der Wahllokale eingingen. Die per Beamer auf eine Leinwand projizierten Zahlen änderten sich dann nur noch unwesentlich.
Gegen 18.45 Uhr stand fest, dass eíne deutliche Mehrheit derjenigen Isnyer, die sich am Bürgerentscheid beteiligten, den Glasturm von Peter Zumthor nicht wollen.
Als Bürgermeister Rainer Magenreuter das Ergebnis verlas, stand ihm die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Mit einer derart deutlichen Ablehnung des vom beinahe ganzen Gemeinderat vorangetriebenen Projektes hatte er nicht gerechnet.
Seit annähernd drei Jahren bemühten sich die Stadt und eine immer größer werdende Gruppe Isnyer Unternehmer wie Privatleute, die gewagte Idee des Pitzker-Preisträgers Peter Zumthor zu konkretisieren und den Menschen zu vermitteln.
Mit etwa 300 000 Euro ist Isny bereits in Vorleistung gegangen. Damit wurden Vorplanungen, Untersuchungen, Projektkoordination sowie Werbe- und Informationsmaterial bezahlt. Den Baupreis von geschätzten 20 Millionen Euro hätten Sponsoren aufbringen sollen.
Die Ablehnung des Zumthor-Projekts wertet Bürgermeister Magenreuter nicht als grundsätzlichen Ausdruck des Misstrauens gegnüber seiner Person oder dem Gemeinderat. Er appellierte an Gegner und Befürworter, sich auch weiter für die Entwicklung der Stadt zu engagieren.
Mit strahlenden Gesichtern verfolgten die Stadttor-Kritiker den Ausgang des Bürgerentscheids. Auch sie hatten in den vergangenen Wochen mit Kundgebungen, Flugblättern, Plakaten und Leserbriefen für ihre Überzeugung intensiv geworben.