Das Kommen lohnte sich: Die LTS-Akteure boten in dem von Michael Seewald inszenierten Stück durch die Bank eine fabelhafte Leistung und wurden mit Riesenbeifall und Bravo-Rufen belohnt.
Es gibt die Behauptung, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen. Aber richtig tödlich kann es werden, wenn Physiker und Krankenschwestern aufeinandertreffen. In Dürrenmatts Komödie müssen gleich drei pflegende Damen das Zeitliche segnen. Die drei Mörder sind allesamt Physiker, darunter «Sir Isaac Newton» und «Albert Einstein», was in einem Nervensanatorium nicht unbedingt verwundert.
Daraus lassen sich jede Menge komische Begebenheiten stricken, aber grundsätzlich geht es Dürrenmatt um die Frage: Darf ein Wissenschaftler seine Entdeckungen weitergeben, wenn sie der Menschheit zum Schaden werden könnten?
Ein vermeintlich sicherer Ort
Physiker Johann Wilhelm Möbius (Klaus Teigel) hat diese Frage für sich mit «Nein» beantwortet und die Flucht ins Schweizer Irrenhaus angetreten. Ein (dank tollem Bühnenbild) nobler und vermeintlich sicherer Ort, der mit Erscheinungen von König Salomo auch leicht zu erreichen ist. Allerdings verbergen sich hinter dem zwischen Geigenspiel und Schlaf pendelnden «Einstein» (Peter Höschler) und dem charismatischen «Newton» (André Stuchlik) zwei Agenten, die hinter Möbius Forschungen her sind.
Es ist ein Stück mit bestechenden Szenen zwischen Heiterkeit und Dramatik. Diesen Spagat schafft auch der Besuch von Möbius geschiedener Frau (Anke Fonforek) und seiner drei Söhne, die in Reih und Glied schon merklich unter der missionarischen Fuchtel des neuen Stiefvaters (Fridtjof Stolzenwald) stehen.
«Gerechtigkeit macht Ferien»
Herrlich locker präsentiert sich Dino Nolting als Kriminalinspektor Richard Voß. Ärgert er sich noch anfangs, dass er Mörder nicht verhaften darf, genießt er es beim letzten Fall gar, dass in einem Irrenhaus «die Gerechtigkeit Ferien macht».
Katharina Puchner überzeugt als Oberschwester Monika Stettler und Joséphine Weyers sorgt als Irrenärztin Dr. Mathilde von Zahnd für Schauer auf der Haut. Denn zum Schluss entpuppt sich, wo der wahre Wahn sitzt. Und der hat wieder einmal nur Geld und Macht im Sinn.