„Was mag wohl Bergkäs‘ auf arabisch heißen? Diese Frage stellen wir uns auf dem Weg zum Münchner Flughafen. In gut vier Stunden soll uns der Flieger in die jordanische Hauptstadt Amman bringen. Streng genommen hat die Reise jedoch deutlich früher begonnen.
Als im letzten Jahr das erste Mal die Rallye Oberstaufen-Amman durchgeführt wurde, wollten die Organisatoren der Allgäu-Rallye den Menschen in Jordanien etwas Gutes tun, an einen Schulneubau war gedacht - aber dann kam alles anders. Ein jordanischer Freund riet Rallye-Organisator Wilfried Gehr, staatliche Behörden außen vor zu lassen. Hilfe für die Armen sollte lieber auf kommunaler Ebene und im Kleinen geleistet werden. Und plötzlich war da die Idee mit dem Bau einer Käserei, die Beduinen ein Auskommen sichern soll, wenn sie sich sesshaft machen wollen.
Das Rallye-Reglement sieht vor, dass alle Teilnehmer ihre Fahrzeuge in Jordanien lassen und sie dort für einen guten Zweck verkauft werden. Weil die Fahrzeuge nicht teurer als 2000 Euro sein dürfen, war das für alle Fahrer zu verschmerzen. 51 000 Euro kamen letztes Jahr auf diese Weise zusammen.
Und davon entsteht jetzt - drei Autostunden östlich von Amman - eine Käserei. Bernd Baur, Käsemeister aus der Sennereigenossenschaft Rutzhofen, ist schon etwas aufgeregt. Nach seinen Plänen und in Absprache mit Architekt Sakher Al Fayez wird gebaut. Keine drei Minuten nach der telefonischen Anfrage, ob er mit seinem Wissen die Beduinen das Käsen lehren wolle, hatte Baur schon zugesagt. Aber das war vor mehr als sechs Monaten.
Einen Tag nach unserer Ankunft in Jordanien sind wir zur „Jordan Cheese Factory“ unterwegs. Wir, das sind in diesem Fall nicht nur Käser Bernd Baur, sondern auch zwölf Freunde aus der Musikkapelle Stiefenhofen, die ihren Klarinettisten nicht alleine reisen lassen wollten. Zudem hatte man erfahren, dass Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Basma, Tante des amtierenden Monarchen Abdallah, Blasmusik und Käse gleichermaßen liebt.
Noch ein paar Kilometer auf holprigen Feldwegen, dann sind wir da. Eine Käserei erwartet uns aber noch nicht, nur ein Transparent verkündet, dass hier die „Allgäu-Orient“-Käserei ihren Platz hat. Die Gebäude stehen im Rohbau, zwei ägyptische Gastarbeiter sind mit Schubkarren unterwegs.
„Ich bin überrascht - aber im ersten Augenblick nicht unbedingt angenehm“, sagt Michael Reichart. Der Elektroinstallationsmeister aus Mittelhofen will zusammen mit dem Sanitär- und Heizungsfachmann Walter Hartmann aus Stiefenhofen für eine energiesparende Solartechnologie sorgen, um Milch zu erhitzen und ihre Folgeprodukte entsprechend kühlen zu können. Jetzt stehen sie zusammen mit Baur etwas ratlos auf der Baustelle. „Das wird schon“, sagt Reichart, „im nächsten Jahr wird hier aus Schafs- und Ziegenmilch Käse produziert, da bin ich sicher. Der Wille ist da.“
Nach mehreren Ausflügen und zwei umjubelten Konzerten in der Wüstenschlucht von Wadi Rum und auf dem Abdoun-Platz in Amman, erfahren wir von höchster Stelle, wie wichtig das Käserei-Projekt ist. Prinzessin Basma bedankt sich bei einem Festbankett persönlich für das selbstlose Engagement und die große Spendenbereitschaft. Inzwischen haben auch die Vereinten Nationen mit ihrem Welternährungsprogramm ihre Unterstützung zugesagt. Nächstes Jahr werden wir wohl den ersten Käse verkosten dürfen. „Inschallah“, wie sie in Jordanien sagen, „wenn Gott es will.“
Und was Bergkäse auf arabisch heißt, haben wir auch erfahren: Jebnet al Jabal - Käse des Berges.“