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Grünenbach | Von Benjamin Schwärzler (Von Benjamin Schwärzler) | 06.11.2009 00:00 Uhr

Kajakfahrer im Eistobel keine Seltenheit

Touren - Freizeitsportler stufen Naturschutzgebiet im Internet mit hohem Schwierigkeitsgrad ein

«Man kann sagen, dass es ein Wunder ist, dass außer diesem Unfall noch nichts passiert ist», sagt Johann Bettrich. Der Kommandant der Feuerwehr Grünenbach war am vergangenen Dienstag vor Ort beim Unglücksfall im Eistobel, bei dem ein 21-jähriger Kajakfahrer tödlich verunglückt ist. Denn obwohl das Bootfahren im Naturschutzgebiet zwischen Grünenbach und Maierhöfen nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Lindau «eigentlich verboten» ist, hat Bettrich schon mehrfach Kajakfahrer beobachtet, die sich bei entsprechend günstigen Pegelständen in den mit vielen Stufen gespickten Fluss wagen. «Das war kein Einzelfall», betont Bettrich.
Kajakfahrer im Eistobel keine Seltenheit

In der Tat scheint es so, als ob das Eistobel im Kreis der paddelnden Freizeitsportler bekannt und äußerst beliebt ist. Die österreichische Internetseite kajak.at beispielsweise listet das Eistobel bei den Touren, die sich die Kajakfahrer dort einander empfehlen, mit hoher Schwierigkeitsstufe auf. Als Einstieg auf die 2 km lange Strecke wird das Sägewerk Schüttentobel genannt. Auf der Homepage finden sich Eigenberichte, Fotos - und sogar die aktuellen Pegelstände können abgerufen werden. Demnach hatte die Argen am Dienstag eine Wassertiefe zwischen 60 und 80 Zentimetern. Zum Vergleich: Am Montag waren es nur etwa 20 Zentimeter, während es am Mittwochabend sogar fast 90 Zentimeter waren.

Auch Bettrich kennt die Fotos aus dem Internet, mit denen begeisterte Kajakfahrer von ihrer Tour im Eistobel berichten. «Die fahren teilsweise an derselben Stelle, an der auch der Unfall passiert ist. Wenn alles gut geht, dann redet kein Mensch darüber. Aber hier sind so viele unglückliche Umstände zusammengekommen», sagt der Kommandant angesichts der Tatsache, dass der verunglückte Student aus Kassel vom Sog unter Wasser gezogen wurde. Das Unfallopfer, das mit einer Gruppe unterwegs war, wurde noch vor Ort reanimiert und mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus Ravensburg geflogen. Dort verstarb der junge Mann noch am Dienstagabend.

«Am sichersten wäre ein klares Verbot für Kajakfahrer», ist Bettrich überzeugt. Besonders bei Hochwasser könne man sich nie sicher sein, was die Argen mit einem anstellt. «Es ist Natur - und die hat ihre Gefahr», meint er. Bedenklich findet er, dass auf der österreichischen Homepage auch Fotos von Kajaktouren im winterlichen Eistobel abgebildet sind. Schnee und Eis würden im Notfall den Zugang für Rettungskräfte erschweren - auch wenn die Feuerwehr Grünenbach für solche Situationen extra Steigeisen angeschafft hat, wie der Kommandant hinzufügt.



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