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Weiler | Von Benjamin Schwärzler | 26.07.2010 11:04 Uhr

«Dass ich mit meinem Vater verglichen werde, ist normal»

Fußball - Alessandro Riedle (18) hofft nach Verletzungspech auf den Durchbruch beim VfB Stuttgart - 2. Mannschaft als Sprungbrett

Er hat schon in Rom gelebt, in Liverpool, in London, in Dortmund, in Zürich - und jetzt in Stuttgart. Doch wo ist seine Heimat? Alessandro Riedle überlegt kurz. Dann sagt er: «Meine Heimat ist das Allgäu. Auch, wenn ich mich dort bisher noch nicht niedergelassen habe.» Vielleicht liegt seine Wahl daran, dass er am 14. August 1991 in Lindenberg das Licht der Welt erblickte. Vielleicht - und wohl viel eher - daran, dass seine Großeltern in Weiler wohnen. «Ich kenn mich hier aus», meint Riedle. Nun ist er zumindest kurzfristig in seine Heimat zurückgekehrt - zum Zeitpunkt des Interviews ist der 18-Jährige mit dem VfB Stuttgart II in Weiler im Trainingslager. Mit den Schwaben bereitete er sich dort auf die nächste Saison in der 3. Liga vor. Die Saison, die ihm den erhofften Durchbruch im Profifußball bringen soll - und am heutigen Samstag für ihn mit dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt startet (Anpfiff 14 Uhr).
«Dass ich mit meinem Vater verglichen werde, ist normal»

Nur 477 Spielminuten

Bänderriss, Operation an der Leiste - seine erste Saison beim VfB Stuttgart war von Verletzungen begleitet. «Das Jahr verlief nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe», gibt der 1,83 Meter große Stürmer zu. Lediglich 477 Spielminuten waren dem Talent in 14 Spielen vergönnt. Ein Tor hat er dabei geschossen. In der Rückrunde kam er verletzungsbedingt gar nicht zum Einsatz. Erst seit Mai trainiert er wieder voll. Und nun will sich Riedle wieder rankämpfen, auch wenn er weiß: «Die Konkurrenz ist groß, es sind viele junge Spieler, die alle nach oben wollen.» Oben - das sind die Profis, für die er sich mit möglichst vielen Toren empfehlen will. Regelmäßig mittrainieren durfte er bei den Profis bereits, außerdem erhielt er die Rücknummer 31 zugewiesen.

 

Die 13, die er in der 2. Mannschaft trägt, war nicht mehr frei. Dass er ausgerechnet diese Nummer auf dem Trikot hat, liegt natürlich an seinem berühmten Vater: Karl-Heinz Riedle, Weltmeister 1990 und zweifacher Torschütze im Champions-Leauge-Finale 1997 für Borussia Dortmund. «Die 13 hat ihm Glück gebracht, nun soll sie mir Glück bringen», sagt Riedle junior, der weiß, dass er allein schon wegen seines Namens immer wieder mit seinem Vater verglichen wird. Das ist für ihn grundsätzlich kein Problem. «Das ist normal. Aber wenn es zu viel wird, dann nervt es mich schon», sagt das Sprachtalent, das fließend Deutsch und Englisch spricht, Italienisch zumindest versteht und Französisch in der Schule gelernt hat.

«Als er ein ganz junger Spund war, so zwischen 4 und 8 Jahren, habe ich gedacht, er wird mal ein ganz Großer», hat Karl-Heinz Riedle einmal in einem Interview über Alessandro gesagt. Sein ältester Sohn sei «ein Diamant, aber er muss noch geschliffen werden. Nur dann kann er es schaffen.»

Den Traum vom Leben als Fußballprofi («für mich das schönste Leben überhaupt») hat Alessandro Riedle bereits seit Kindertagen. «Ich wollte immer schon Fußballer werden», sagt er. Dabei hat der 18-Jährige, der als Bub häufig mit seinem Vater im Garten gekickt hat, zwischendurch sogar einmal die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Nach dem Umzug von London nach Zürich hatte er zunächst Schwierigkeiten, einen Verein zu finden. Dadurch sei ihm zu Lust vergangen. «Ich habe ein Jahr lang gar nicht gespielt», verrät er.

Erst als er dann bei Grasshoppers Zürich untergekommen sei, habe er wieder Spaß am Kicken gefunden. Jener Verein, für den er am 29. April 2009 als 17-Jähriger sein erstes Profitor erzielen sollte.

Studium als Absicherung

Nun lebt Riedle junior, dessen Spitzname «Ale» lautet, zusammen mit seiner Freundin in Stuttgart. Nachdem er sich dort akklimatisiert hat, will er - wenn er zeitlich hinkommt - neben der Fußballkarriere ein Fernstudium beginnen. «Irgendwas mit Wirtschaft vermutlich», sagt er. Dieses zweite Standbein ist ihm sehr wichtig. Denn durch seine Verletzungen in der vergangenen Saison habe er gesehen, wie schnell man als Fußballer weg vom Fenster ist. Riedle ist eben bodenständig. Ganz so, wie man es von einem Allgäuer erwartet.

«Dass ich mit meinem Vater verglichen werde, ist normal»


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