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Kempten (jhö) | 29.12.2011 00:00 Uhr

Raunächte im Allgäu: Bis Dreikönig ist der Teufel los

Kaum ist Weihnachten vorüber, übernehmen nach altem Volksglauben bis zum 6. Januar zwei Wochen lang Geister und Dämonen die Herrschaft

Wenn die gnadenreichen Weihnachtstage vorbei sind, dann bricht nach uralter Vorstellung die geheimnisvolle Zeit der „Raunächte“ an. In dieser Zeit, so glaubten die Menschen früher, „ist der Teufel los“, weil die höllischen Mächte gegen die Geburt des Heilands rebellieren.
Raunächte im Allgäu: Bis Dreikönig ist der Teufel los Daraus entstand und verblieb manches Brauchtum, bei dem sich Glaube und Aberglaube sehr nahe kommen. In den beiden Wochen zwischen dem Heiligen Abend und dem Dreikönigstag gehen, so waren unsere Vorfahren einst überzeugt, die Geister um und die „wilde Jagd“ tobt durch die Lüfte.

In diesen sogenannten Raunächten herrschte nach alten Berichten und Erzählungen eine Art Ausnahmezustand. Die Raunächte kommen aus germanischer Tradition. Sie werden nicht nur als Tage des Wandels von einem Jahr zum anderen angesehen, sondern auch als eine symbolische Zeit des Übergangs – wie zum Beispiel vom Leben zum Tod.

Sie galten auch als eine Art Zeit der Sühne und der Abrechnung für die Taten des vergangenen Jahres. An diesen geheimnisvollen Tagen und langen Nächten soll man sich besinnen und eine Neubestimmung für das neue Jahr finden, so der Grundgedanke.

Die Bezeichnung „Raunächte“ kommt von rau (wie wild) oder auch von Rauch. In all diesen Nächten seien die bösen Geister besonders aktiv und mächtig. Das veranlasste einst wiederum die Menschen, die Dämonen zu vertreiben.

Sie wurden in den Häusern jeweils in der Thomasnacht, in der Christnacht, in der Silvester- und Dreikönigsnacht mit Räucherwerk, magischen Handlungen oder Brandopfern regelrecht ausgeräuchert. Das Silvester-Schießen hat hier seinen eigentlichen Ursprung.

Für die Raunächte galten besondere Regeln. Vor allem sollten keine wesentlichen Arbeiten verrichtet werden. Tätigkeiten wie spinnen, nähen, mangeln, dreschen oder waschen waren während dieser Tage verboten. Wäsche durfte nicht auf der Leine hängen, denn Unordnung wurde von den Dämonen bestraft.

In den Vorstellungen der Menschen war besonders die „wilde Jagd“ – im Allgäu „s’ wilde G’jäg“ genannt – gefürchtet. Das Geisterheer soll während der Raunächte lärmend durch die Lüfte ziehen sein und Angst und Schrecken verbreiten. Die Raunächte, in denen Druiden, Hexen und Kobolde über viel Macht verfügt haben sollen, waren voller Orakel.

Im Allgäu war man sicher, während der Raunächte auf irgendeine Weise einen Blick in das Reich des Unerforschlichen tun zu können. Durch die zwölf Raunächte hindurch glaubte man, auch das Wetter der kommenden zwölf Monate vorhersagen zu können.

Mit dem Dreikönigstag enden die Raunächte. Haus und Stall wurden zum letzten Mal mit geweihtem Weihrauch ausgeräuchert. An Dreikönig werden in den Kirchen auch heute noch Weihrauch zum Räuchern und Salz geweiht.



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