Einen spritzigen Appetithappen servierte das Verdi Quartett zunächst mit Hugo Wolfs «Italienischer Serenade» in G-Dur, das mit schönen, facetteneichen Geigen- und Cello-Passagen aufwartet. Und dann wurde alles anders.
Erste Geigerin Susanne Rabenschlag sprach in ihrer Einführung sogar schmunzelnd von einer «Zumutung für Musiker». Und wer einen Blick auf die ausgeteilte Kopie eines Notenblatts warf, konnte dem nur zustimmen. Zu lesen waren bei schummrigem Licht auch 50 Gedichtfragmente von Friedrich Hölderlin, beispielsweise «seliges Angesicht», staunend» oder «wo hinauf die Freude flieht». Der Komponist hatte sie in die Partitur eingefügt, mit dem Hinweis, «dass in keinem Falle während der Aufführung vorgetragen werden.» Und obendrein sollten sie «in keinem Falle als naturalistischer, programmatischer Hinweis für die Aufführung verstanden werden».
Nun ja, merkwürdig erscheint dies, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Hölderlin vor Wortreichtum nur so strotzt; Nonos Musik gibt sich dagegen minimalistisch. «Nono will ein Maximum an Innerlichkeit durch so wenig Mittel wie möglich ausdrücken», betonte Susanne Rabenschlag.
Geheimnisvoll-abstrakt ist die Tonsprache dieses rund 35-minütigen Werks von 1979. Luigi Nono (1924 - 1990), einerseits überzeugter Kommunist, andererseits ein führender Kopf der musikalischen Avantgarde nach dem Krieg, hat in seinem Streichquartett radikal Spiel- und Hörgewohnheiten auf den Kopf gestellt. Da gibt es Tonverschiebungen um Viertelnoten, ungewöhnliche Spieltechniken, wenig Lautes, viel Leises und immer Pausen die den Zuhörer fordern, sich einzubringen.
Stille ist das große Thema. Aber auch Zerbrechlichkeit, Ungewissheit, Unsicherheit, Offenheit. Und das Verdi Quartett erwies sich als exquisiter Führer durch Nonos bizarren musikalischen Kosmos. Wenngleich die trockene Akustik des Rittersaals den Klängen hin und wieder die Tiefe raubte und monochrome Wände die Fantasie noch mehr beflügelt hätte.
Nach so viel Intellektualität und fordernder Anteilnahme, konnte sich das Publikum nach der Pause bei Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur (op. 44) zurücklehnen. Denn da wurde wieder alles vertraut, romantisch-beseelt. Mit Matthias Kirschnereit am Flügel hatte das Verdi Quartett einen außergewöhnlichen Partner an seiner Seite, der die Vier mit mächtiger, kraftvoll-zupackender Pranke forderte.