Betroffen seien vor allem Alleinerziehende, geringfügig oder befristet Beschäftigte, Zeitarbeiter, Arbeitslose, alte, kranke und behinderte Menschen und viele Kinder. Sie äußere sich nicht nur in der finanziellen Not, im schlechten Wohnumfeld oder in schlechter Ernährung, sondern auch in Mutlosigkeit, sozialem Rückzug und Vereinsamung, Angst und Depressionen. Wenn dazu auch noch Bildungsarmut komme, werde Armut oft mit Statussymbolen wie einem großen Fernseher oder aufwändigen Handys vertuscht, während es am Zugang zu kulturellem und gesellschaftlichem Leben fehle.
Fatal für Kinder
Fatal für betroffene Kinder: Sie schaffen häufig keinen Schulabschluss, besuchen selten eine höhere Schule, haben weder Vorbild noch Zugang zu sinnvollen Freizeitmöglichkeiten, hieß es. Eigene schlechte Erfahrungen der Eltern beeinflussten deren Umgang mit den Kindern, so dass es zu einer endlosen Armutsspirale komme.
In der anschließenden Gruppenarbeit wurden die angerissenen Themen vertieft: So auch bei Renate Kuhles von KASA (Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit, Haus Lichtblick in Kempten), die das Thema «Recht haben und Recht bekommen - Beratung und Bürokratie» behandelte.
Aus der Beratung von Menschen die Probleme mit Anträgen, Bürokratie und Ämtern haben, weiß sie um den Papierkrieg, den Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger führen müssen. Geringverdiener wüssten oft nicht, dass sie einen Anspruch auf ergänzendes ALG II haben, berichtete sie.
Aktuelle Politik
Schnell drehte sich die Diskussion um die aktuelle Politik und um Guido Westerwelles populistische Forderung «Arbeit muss sich lohnen». «Hier wird ganz falsch diskutiert und in den Medien berichtet, denn ein Freibetrag stellt sicher, dass jeder arbeitende Mensch mehr verdient als ein Arbeitslosengeldempfänger», wies Kuhles mit Beispielrechnungen nach.
Einen alternativen Gedanken zur Existenzsicherung stellte Wolfgang Grieshammer, der Geschäftsführer des diakonischen Werkes, in einem Referat über ein bedingungsloses Grundeinkommen vor.
Auch wenn schließlich keine detaillierte Auswertung der Themenarbeit mehr stattfand, nahmen die Teilnehmer doch viele Anregungen und Anstöße für die Arbeit in ihren Pfarrgemeinden mit nach Hause. Im Gepäck hatten sie viele Facetten der Armut, aber auch das Bewusstsein um den Reichtum an Unterstützung und Solidarität innerhalb von Familien, Nachbarschaft und Gemeinden, der oft im Stillen blüht.