Der urige Allgäuer Bauernchor gefällt den Münchnern. Von ihm werden sie eingestimmt auf einen durch und durch Allgäuer Abend in der Landeshauptstadt. Aber es geht nicht um Folklore. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein komischer Allgäuer Kommissar. Kluftinger heißt er. Seine Schöpfer, die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr, stellen im Circus Krone ihren neuesten Krimi vor, die «Rauhnacht». Und als sie - nach einem weiteren Lied des Bauernchors, in dem die Hauptfiguren des Krimis veräppelt werden - zum Lesetisch schreiten, schlägt ihnen ebenfalls eine riesige Beifallswelle entgegen.
Gefragte Lesung
Warum stellen Allgäuer Autoren einen Allgäuer Krimi in München vor? Weil es im Allgäu einen großen Saal mit intimer Atmosphäre für eine Lesung nicht gebe, antwortet Volker Klüpfel. Die Karten gingen denn auch weg wie die warmen Semmeln - auch die Münchner schätzen offenbar die Klufti-Krimis. Etliche Allgäuer waren ebenfalls nach München gefahren, um die erste öffentliche Lesung von Rauhnacht mitzuerleben - oder um Allgäuer Kässpatzen zu verkaufen, wie Christine Altstetter aus Kempten. Ihre frisch zubereiteten Portionen finden reißenden Absatz.
Diese Lesungen haben Klüpfel und Kobr mittlerweile zu köstlichen Kabarett-Auftritten ausgebaut. Der reine Textvortrag nimmt nur noch einen Teil ein.
In der übrigen Zeit palavern sie über das Allgäu und seine Menschen, über die Mundart und andere Eigenheiten - Kobr im breiten Dialekt, Klüpfel in einer entschärften Version.
Sie nehmen sich gegenseitig auf die Schippe, richten ein «Gscheitometer» ein (mit dem sie spaßeshalber die Reaktionen des Publikums messen und es dabei auch immer wieder hochnehmen). Und sie streiten sich - ebenfalls spaßeshalber - darüber, wie man Allgäuer Kässpatzen zubereitet. Das Publikum reagiert mit Heiterkeitsausbrüchen wie bei Comedy-Shows.
Und der neue Krimi? Scheint wieder den Ton zu treffen, den die Klufti-Fans erwarten. Das zeigt nicht nur die Platzierung in den Bestseller-Listen, wo «Rauhnacht» binnen kurzer Zeit ganz nach oben stürmte.
Oft an diesem Abend brechen die Zuhörer in schallendes Gelächter aus, spenden spontan Beifall. Sie ergötzen sich am kauzigen Kommissar und seinen schräg-absurden Auftritten - wobei Klüpfel und Kobr beträchtliches komödiantisches Potenzial entfalten, um das gut rüberzubringen.