Synthesizer-Gequäke auf Kinder-CDs, krampfhaft coole Songs für Kids - man kann es allmählich nicht mehr hören. Da ist so eine Musik-Geschichte wie die von Siegfried und Klaus-Dieter Köhler ein Labsal für die Seele. Vater Siegfried war Dirigent auf großen Opernbühnen und ist ein imponierender Beweis, dass Musik jung hält. Der 86-Jährige komponierte hier etwas ganz Neues: Er übertrug das archaische Prinzip des Sprechgesangs, aus der griechischen Tragödie stammend und in der Oper Rezitativ genannt, auf ein modernes Kinderstück - und es funktioniert. Staunend erlebt man, wie eine künstlerische Ur-Form verwandelt wiedergeboren wird. Daneben gibt es aber auch viele Lieder mit Melodien, die man aus dem Gehörgang nicht mehr hinaus bekommt.
Auch das Libretto von Köhler junior ist traditionell und gleichzeitig pfiffig und beweist, dass man Kinder auch in gepflegtem Deutsch erreichen kann.
Mitreißend Jessica Wall als 14-jährige Tochter Marie eines total beschäftigen Vaters und Katharina Puchner als Kater Murr, der sich von einem Stofftier plötzlich verwandelt zum Reiseleiter ins Abenteuer-Land. Benedikt Moser (Klavier) und Sebastian Kern (Percussion) gaben der Musik als Vollblut-Jazzer den letzten Pfiff. Inszenierung (Therese Schmidt), Bühnenbild (Sabine Manteuffel) und Kostüme (Anne Sevenich) sind brilliant.
Großer Aufwand konnte nicht betrieben werden, denn das Stück soll ja auch als Gastspiel in Schulen und anderen Einrichtungen funktionieren. Doch aus der Not wurde eine Tugend gemacht. Hier kommt alles auf den Punkt, reduziert und treffend. Faszinierend war bei der Premiere zu beobachten, wie alle ihre Freude hatten vom Kleinkind bis zum Opern-Routinier (für den Köhler sen. raffiniert und witzig Zitate aus der Opern- und Operettenwelt versteckt).
Eine weitere öffentliche Aufführung im LTS ist am 30. Mai um 15 Uhr. Für Gastspiele kann das Stück ab sofort gebucht werden.