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Grünenbach | Von Klaus-Peter Mayr (Von Klaus-Peter Mayr) | 04.09.2010 00:00 Uhr

Verwurzelt in den Hügeln und Bergen

Porträt - Der Maler und Zeichner Markus Pieper (35) kehrte nach dem Kunststudium gerne ins Allgäu zurück und gewann gleich den Kunstpreis der Stadt Kempten

Markus Pieper ist einer von jenen, die wieder zurückkehren. Die nach ein paar Jahren genug haben von großen grauen Städten oder bretterebenen Landschaften. Die sich nach Hügeln und Bergen sehnen, nach klarer Gipfelluft, nach der Farbe Grün, nach dem heimischen Dialekt. Kurz: Die das Allgäu lieben und nach einem Gastspiel irgendwo in Deutschland wieder hierher ziehen.
Verwurzelt in den Hügeln und Bergen

«Mir gefällts einfach im Allgäu», sagt er und lächelt leise. Seine Frau stamme aus dem Sauerland, dort sei es auch hügelig und grün. Aber es gebe halt zu viele Wälder und zu wenig Aussicht. «Da könnte ich nicht leben.»

Sein «Auswärtsspiel» bestritt Markus Pieper in München, wo er von 2001 bis 2009 an der Akademie der Bildenden Künste in der Malklasse von Günter Förg studierte und das Staatsexamen machte, um als Kunsterzieher arbeiten zu können. Kaum zurück hat er den Kunstpreis der Stadt Kempten gewonnen. Wie so viele Experten der Allgäuer Szene war auch er selbst überrascht. «Das hätte ich nie gedacht», sagt er.

Viele Experimente im Atelier

Pieper nimmt diese - immerhin mit 5000 Euro dotierte - Auszeichnung als Bestätigung für seine Arbeit. Ein unerschütterliches künstlerisches Selbstbewusstsein hat sich der 35-Jährige noch nicht aufbauen können. «Wenn ich im Atelier sitze, zweifle ich oft», verrät er. Da experimentiert er, verwirft, fängt neu an, malt, zeichnet, baut. Eines aber zeige ihm der Preis: «So falsch kann ich nicht liegen.»

Markus Pieper wuchs im Westallgäuer Dorf Opfenbach auf. Damals hieß er mit Nachnamen noch Schneider. Nun kehrte er ins Westallgäu zurück, weil er eine Stelle am Bodensee-Gymnasium in Lindau erhielt. Mit seiner Frau hat er sich im ersten Stock eines alten Hauses in Grünenbach eingemietet. Bald ziehen die beiden ein paar Kilometer weiter, nach Röthenbach, wo sie gerade ein Haus gekauft haben.

Zwölf Quadratmeter ist sein Atelier groß - ein Zimmer in der Wohnung. Dort entstehen seine Arbeiten, die so viel mit dem Allgäu zu tun haben. Etwa die Gemälde mit Jägerständen und Bergen. Oder Zeichnungen mit Berggipfeln. Diese hat Pieper mit dem blauen Kugelschreiber gefertigt. «Mich interessiert die Spannung zwischen den erhabenen Bergen und dem banalen Zeichengerät.»

Spiel mit Sehgewohnheiten

Der Bergfreak Pieper bildet die Berge nicht so ab, wie das früher gang und gäbe war und heute noch von vielen geschätzt wird. Pathos, Verklärung oder gar Heimattümmelei sind ihm fremd. Er hinterfragt lieber, kombiniert Landschaft mit Architektur, forscht nach Überraschendem, spielt mit Sehgewohnheiten und Erwartungen. Es ist ein stilles, subtiles Arbeiten, wie ihm die Kemptener Ausstellungsjury bescheinigte.

Wobei diese Arbeitsweise auch den Menschen Pieper spiegelt. Im Gespräch ist er zurückhaltend. Reden über die eigene Kunst? «Ungern» sagt er und lächelt verlegen.

Der Weg in die Kunst war nicht gerade. Zwar wollte Markus Pieper schon nach dem Abitur Kunst studieren. Doch seine Bewerbung an der Stuttgarter Akademie wurde abgelehnt. Also machte er eine Steinmetzlehre. Im Nachhinein betrachtet sei dies das Beste gewesen, was er tun konnte, sagt Pieper. «Ich habe eine andere Sichtweise bekommen, habe mir handwerkliches Können angeeignet.»

Heute arbeitet er statt mit dem Meißel mit Zeichenstiften und Pinseln. Am liebsten male er mit Ölfarben, sagt Pieper. «Sie sind einfach schöner, natürlicher, erdiger.» Ja, das Erdige liege ihm besonders. Er sei ein naturverbundener Mensch, der das Klotzige und das Knallbunte nicht so mag. Halt einer, der verwurzelt ist in der Allgäuer Landschaft und den Bergen.

Die mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichneten Bilder von Pieper sind in der Festwochen-Ausstellung im Hofgartensaal der Residenz zu sehen. Sie läuft noch bis 12. September (geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei).



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