Zeitgleich erfährt der Besucher über eine Art Telefonhörer alles Wichtige über Motive, Vorbilder und künstlerische Besonderheiten. Wer keinen Sitzplatz im abgedunkelten Saal ergattert hat, kann sich derweil an computergespeisten Leuchtpulten informieren. «Da steckt ein großer Aufwand dahinter», erläutert Ausstellungsmacher Dr. Rainhard Riepertinger. Doch der lohne sich - ist der 1720 bis 1722 von dem Kemptener Franz Georg Hermann ausgestaltete Prunkraum doch Höhepunkt der Ausstellung.
Barock trifft High-Tech
Barocke Bausubstanz trifft auf High-Tech des 21. Jahrhunderts: Dieser Kontrast, der auch in anderen Ausstellungsräumen zu finden ist, übt laut Riepertinger eine starke Anziehung aus. Knapp 110000 Besucher wurden bislang an allen drei Standorten gezählt. Etwas weniger als von der Stadt Füssen erhofft, aber aus Sicht der Ausstellungsmacher «absolut zufriedenstellend».
Zumal die Zahlen zum Ende hin erfahrungsgemäß deutlich stiegen.
Doch zurück zum Kaisersaal, der nicht nur in der Form einem italienischen Vorbild (dem Senatsgebäude im antiken Rom) nachempfunden ist. «Auch das Bildprogramm hat italienische Wurzeln», so Riepertinger. Maler Franz Georg Hermann hatte sich bis 1712 zusammen mit seinem Zeitgenossen Cosmas Damian Asam an der Accademia di San Luca in Rom ausbilden lassen und aus Italien Themen, Motive, ja sogar Bilddetails mitgebracht.
Seine Füssener Fresken zeigen, dass sich das Benediktinerkloster nicht nur als Hort des Glaubens, sondern auch der Wissenschaft sah.
So ist an der Decke das (damals vom Papst verfemte) heliozentrische Weltbild dargestellt, zieren Gelehrte und eine Windrose mit integriertem Richtungsanzeiger das Gewölbe. Der Name Kaisersaal hatte nur einen Zweck: Er sollte das Streben des Klosters nach Reichsunmittelbarkeit unterstreichen. Ironie der Geschichte: Nach Fertigstellung des Prunksaals hat kein Oberhaupt des Heiligen Römischen Reichs mehr den Fuß ins Kloster gesetzt.
Geöffnet täglich 9 bis 17.30 Uhr.