Im Festsaal des ehemaligen Klosters zeigte das Ensemble unter der Leitung von Jeanne Lamon voller Spielfreude die Entwicklung der Streichorchestermusik vom Barock bis hin zu den frühesten Werken Felix Mendelssohn Bartholdys auf. Spätestens bei dessen im Alter von 13 Jahren komponierten Violinkonzert in d-Moll war - zumindest für den Moment - das Grübeln über die Zukunft des Festivals verflogen.
Trotzig-wilde Virtuosin
Ganz dem Motto der diesjährigen Veranstaltung «Entrückt!» folgend gab es frenetischen Applaus, und den hatte sich die Solistin Aisslinn Nosky redlich verdient. Mit einer bezaubernden Mischung aus Ernsthaftigkeit, Eigensinn und gestalterischem Willen steigerte sie sich von Satz zu Satz.
Beim abschließenden Allegro gab sich die Virtuosin mit dem feuerroten Haarschopf schließlich trotzig-wild und hätte die letzten Takte genauso gut mit einer E-Gitarre schmettern können. Niemals blieb dabei die Exaktheit auf der Strecke. Welch ein Gegensatz zum zuvor gespielten Concerto in Es von Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764), das gut und gerne auch als Kantate durchgehen würde.
Da entpuppte sich der angekündigte «Saitensprung» als Quantensprung. Die Solovioline - diesmal von Lamon geführt - verkörpert die klagende Ariadne, die von Theseus auf Naxos zurückgelassen wurde. Dabei kommt der Solopart selten über die Eigenständigkeit eines Rezitativs hinaus. Doch die das Orchester souverän führende Lamon verstand es - wie auch bei den anderen älteren Stücken des Abends -, den Bereich innerhalb dieser formalen Schranken mit hochkarätigen Interpretationen zu füllen.