Herr Stuchlik, dürfen wir Sie künftig mit «Kommissar Kluftinger» ansprechen?
Stuchlik: (lacht, zögert) Auf der Bühne ja, im Privatleben nein. Aber es gibt tatsächlich schon Leute, die mir auf der Straße zurufen: «Hallo Klufti!»
Wie schwer wiegt die Bürde, diese Allgäuer Kultfigur darzustellen?
Stuchlik: Überhaupt nicht schwer. Weil ich mich ihm sehr nahe fühle. Ich spüre viel von Kluftinger in mir. Deshalb kann ich ihn auch aus mir heraus spielen. Vieles was er in den Büchern erlebt, kenne ich. Beispielsweise die Szene, als er Kaffee verschüttet und mit dem Strumpf aufwischt: Fast dasselbe ist mir bei einer Fete passiert. Ich habe Wein verschüttet, meine Socken ausgezogen und den Fleck damit aufgewischt. Der Typ erinnert mich an mich selbst.
Inwiefern?
Stuchlik: Seine Menschlichkeit, seine Schwächen, sein Humor, seine Listigkeit. Und er hat Herz. Kluftinger besitzt Charaktereigenschaften, die mir nicht fremd sind.
Wieviel vom Buch-Kluftinger werden die Zuschauer auf der Bühne wiedererkennen?
Stuchlik: Wir wollen so nahe wie möglich am Buch und an den Typen bleiben.
Aber Sie sprechen doch gar keinen Allgäuer Dialekt.
Stuchlik: Brauche ich auch nicht, denn Walter Weyers hat das Stück auf Hochdeutsch geschrieben. Wenn man nämlich den Allgäuer Dialekt nicht richtig beherrscht, dann würde die Mundart aufgesetzt wirken. Ein paar Wörter und Sätze werden allerdings schon im Dialekt gesprochen, etwa: «»So a Schmarrn».
Ist dieser Kluftinger ein Kauz, ein Grantler, ein Trottel - oder ein ganz gewiefter Kopf, der nur so tut, als sei er ein bisschen schwer von Begriff?
Stuchlik: Ja, genau. Sie haben mit der Frage auch die Antwort gegeben. Kluftinger ist von allem etwas. Und vor allem ein gewiefter Kopf.
Mögen Sie Kässpatzen?
Stuchlik: Jaaaa!
Kochen Sie manchmal welche?
Stuchlik: Ich lasse mir welche kochen. Meine Freundin kann das super. Sie ist eine Allgäuerin, kommt aus Burgberg bei Sonthofen. Der Käse: ein Genuss! Die Zwiebeln: ein Genuss!
Dieses Interview ließen Sie verschieben, weil die Probe etwas länger dauerte. Ist das Unterfangen, Kluftinger auf die Bühne zu bringen, schwieger als anfangs erwartet?
Stuchlik: Nein. Endproben dauern sowieso immer etwas länger. Ich finde, Walter Weyers hat aus dem Roman ein ausgezeichnetes Bühnenwerk geschaffen. Ich war anfangs skeptisch, ob das klappt - das gebe ich zu.
Sie haben sicherlich den Kluftinger-Spielfilm «Erntedank» mit Herbert Knaupp in der Hauptrolle gesehen. Nehmen Sie sich ihn zum Vorbild?
Stuchlik: Nein, überhaupt nicht. Ich finde, Herbert Knaupp hat Kluftinger nicht so gut getroffen. Das Herz fehlt ihm ein bisschen, die Tiefe, das Innere.
Sie sind dienstältester Schauspieler am Landestheater. Hatten Sie das Erstzugriffsrecht auf diese prominente Rolle?
Stuchlik: Nein, das hat damit nichts zu tun. Als sich Walter Weyers für die Dramatisierung entschied, sagte er: Als Kluftinger kommt nur einer in Frage - der Stuchlik. Ich bin wahnsinnig stolz, darauf. Das ist eine tolle Sache, als erster den Kluftinger auf der Bühne zu spielen.