Verschämte Reaktionen auf das Thema Teufel, Besessenheit und Exorzismus hätten insbesondere mit dem Klingenberger Fall von Anneliese Michel zu tun, die durch eine Teufelsaustreibung zu Tode gekommen war.
Seitdem herrsche in Deutschlands Kirche stille Ratlosigkeit. Entgegen der pastoralen Unentschlossenheit hierzulande habe sich in Rom Aufbruchstimung breit gemacht. Dort würden Exorzistenkurse angeboten und dankbar besucht, meinte der Münchner Dogmatiker vor 70 Zuhörern im Pfarrzentrum St. Lorenz.
Eine Kirche, die sich des Dämonischen und Teuflischen nicht mehr annehme, verliere an Professionalität und Kompetenz, warnte Stubenrauch. Andererseits habe sie sich davor hüten, zu einer «neuen Teufelsjagd» aufzurufen. Es gelte vielmehr, jenseits dieser Extreme eng mit medizinischen Diensten zusammenzuarbeiten.
Heute stehe ein Heer von psychologisch und psychiatrisch geschulten Fachkräften zur Verfügung, «die der angeblichen Besessenheit mit hoher Kompetenz auf den Grund gehen und klar beschreibbare Krankheitsbilder erkennen.» So rufe etwa die Schizophrenie Stimmen oder Erscheinungen hervor, bei denen man früher sofort an das Dämonische gedacht habe.
Niemand wünsche sich Teufelpredigten zurück, meinte der Theologe. Gleichwohl müsse die Kirche vor den Tücken des Bösen in seinen vielfältigen Formen warnen.