Die Gruppe des «No Limits II Mobilkurses» unter Führung von Eberhard Haeuschkel (58) wandert in mehreren Tagen von Immenstadt zur Aibele Alpe bei Rohrmoos westlich von Oberstdorf. Unter ihnen sind unter anderem geistig Behinderte, ein Teilnehmer mit autistischen Zügen und auch ein Blinder.
«Das besondere ist das Tandem-Prinzip», erläutert Haeuschkel. Dabei marschieren jeweils ein behinderter und ein nicht behinderter Bergsteiger zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Um möglichst viele verschiedene Erfahrungen miteinander zu sammeln, wechseln die Tandems täglich durch. Auf diese Weise legen sie auf 40 Kilometern Strecke rund 3000 Höhenmeter zurück.
Dieses Prinzip hat Katharina Pelzing besonders gut gefallen. Sie ist extra aus Nordrhein-Westfalen zum Mobilkurs angereist. Haeuschkel kannte sie bereits von mehreren Erlebnisaufenthalten im Sommer und Winter mit verschiedenen Aktionen. Dabei diente die Jugendbildungsstätte des Alpenvereins in Bad Hindelang (Jubi) als Stützpunkt. «Es war toll, dass wir diesmal jede Nacht in einer anderen Hütte verbracht haben», sagt die 24-Jährige.
Genau das ist eines der beiden Hauptziele von Haeuschkel: Er will behinderten Menschen Erlebnisse bieten, die ihnen sonst verwehrt blieben. Die Teilnehmer ohne Einschränkung sollen Gelegenheit haben, sich für den Umgang mit Behinderten zu sensibilisieren. Zum Beispiel Miriam Kimmerle aus Kißlegg (Kreis Ravensburg).
Da die Studentin der Sozialen Arbeit noch keine Erfahrung mit Behinderten gesammelt hatte, wollte Kimmerle sich selbst testen. «Ich fands total spannend und wollte wissen, wie das funktioniert», sagt die 30-Jährige. Dabei war sie beeindruckt, wie schnell die Bergsteiger Vertrauen zueinander aufgebaut haben, obwohl sie sich vorher nicht kannten.
Haeuschkel will mit dem Kurs auch ein Zeichen gegen die Höher-schneller-weiter-Mentalität setzen. «Es geht mir um mehr bewusstes Erleben», sagt der ehemalige Berufssoldat, der sich während seiner Dienstzeit zum Erzieher weiterbildete. Denn nicht alle Teilnehmer seien aufgrund ihres Berufs oder einer Behinderung an dem Kurs interessiert. «Es waren schon einige dabei, die einfach mal etwas anderes erleben wollten», sagt er.
Wichtigster Gradmesser für den Erfolg ist für Haeuschkel der Blick in die Augen seiner Begleiter nach der Tour - vor allem in die der Behinderten. «Manche sind ja gar nicht in der Lage auszudrücken, was sie empfinden», sagt er. Aber ihr zufriedener Gesichtsausdruck spreche Bände.
Der nächste stationäre Kurs an der Jubi in Bad Hindelang findet von 10. bis 16. September statt. Es sind noch Plätze für behinderte Teilnehmer frei.
www.erlebnis-integrativ.de