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Oberallgäu (az) (az) | 13.08.2010 00:00 Uhr

Ministerium: «Absolutes Verbot von Insektiziden nicht möglich»

Unterschriftenaktion - Hoffnungen der Imker für die Zukunft schrumpfen

Täglich schaut er in den Briefkasten. Doch bisher hat Imker Eckhard Radke noch keine Reaktion vom Bundeslandwirtschaftsministerium auf dem Schreibtisch. Vor knapp drei Wochen hatte er als Vizevorstand mit weiteren Vertretern des Landesverbands Bayerischer Imker (LVBI) in Dietmannsried (Oberallgäu) eine Liste mit über 18500 Unterschriften an den Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Dr. Gerd Müller, übergeben. Die Unterzeichner fordern ein Totalverbot von Nervengiften im Pflanzen- und Ackerbau (Gruppe der Neonicotinoide). Bereits 2008 hatte der Einsatz des Wirkstoffs Clothianidin im Maisanbau zu einem großen Bienensterben geführt, da das starke Nervengift schon in geringsten Mengen bei allen Insekten zum Tod führt. Die Beizung der Maiskörner wurde daraufhin sofort verboten. Im März dieses Jahres hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erneut eine Ausnahmegenehmigung - mit sehr strengen Auflagen - für den Einsatz des gleichen Insektizids in Form eines Granulats erlassen.
Ministerium: «Absolutes Verbot von Insektiziden nicht möglich»

«Die Forderung, alle Neonicotinoide komplett zu verbieten, ist so rechtlich nicht umsetzbar», erklärt Dr. Steffen Beerbaum vom Bundesministerium auf Nachfrage unserer Zeitung. Denn wenn alle Zulassungsvoraussetzungen für ein Pflanzenschutzmittel gegeben seien, müsse die Zulassung auch erfolgen. Die Unterschriften seien angekommen, werden berücksichtigt und erste Antworten seien bereits an die Geschäftsstellen der Imkerverbände herausgeschickt worden.

«Dr. Müller hat bei der Übergabe sehr beeindruckt von der großen Zahl gewirkt», erzählt Radke von dem Treffen vor knapp drei Wochen. «Aber natürlich hat er auch versucht uns zu beschwichtigen und versprochen, dass das Ministerium alles dafür tue, dass die Bienen keinen Schaden erleiden», so der Imker.

Da den Bienen in diesem Jahr aufgrund der Witterung wenig passiert ist, sei die Hoffnung auf ein komplettes Verbot des Mittels jedoch bereits geschrumpft: «Heuer im Mai war es relativ kühl, als der Mais aufgelaufen ist. Dann schwitzen die Pflanzen nicht. Denn das gefährliche Gift nehmen die Bienen über dieses Schwitzwasser auf», erklärt Radke. Dies sei dann natürlich gefundenes Fressen für Landwirte und Politiker, zu argumentieren, dass das Pestizid in Form von Granulat keinen Schaden anrichte. «Dabei kann man sich nicht einfach auf das Wetter verlassen. Wäre es wärmer gewesen, würde die Situation ganz anders aussehen», sagt Radke.

«Nicht die Minister forschen»

Das diesjährige Wetter spiele laut Beerbaum keine Rolle bei der Entscheidung des BVL. «Die Experten berücksichtigen bei der Forschung ja nicht nur das Wetter 2010, sondern es wird immer von den schlechtesten Bedingungen ausgegangen». Prognosen für die Zukunft könne er nicht geben: «Das ist keine politische Entscheidung, sondern eine Wissenschaftliche», so Beerbaum, «es forschen ja nicht die Minister. Solche Wirkstoffe werden intensiv von Experten geprüft». (jb)



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Meinungen zum Thema:

  arbeiter1949 , 13.08.2010 17:46

Die Pflanzenschutzgiftlobby

"solche Wirkstoffe werden intensiv von Experten geprüft" behauptet der Minister. Welch ein Unsinn, denn die Pflanzenschutzgifte werden von den Herstellern( BASF,Bayer. Syngenta etc. )entwickelt und durch befangene Zulassungsbehörden genehmigt. wegen Drittmittel der Industrie usw. Siehe auch: http://www.natur.de/scripts/basics/econews/basics.prg?session=42f9476c4ac137ed_91&a_no=19967&nap=natur

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