Alltagstauglichkeit erforschen
Mit dem Projekt (wir berichteten) sollen unter anderem die Alltagstauglichkeit von Elektrofahrzeugen erforscht und eine Infrastruktur zu deren effizienter Nutzung in der Modellregion Allgäu aufgebaut werden. Einheimischen und Touristen steht deshalb eine Flotte von 50 Elektro-Fahrzeugen zur Miete oder gemeinschaftlichen Nutzung (Car-Sharing) zur Verfügung.
Diese 50 sind nach Ansicht des schwäbischen Regierungspräsidenten Karl Michael Scheufele ein erster Schritt zu der einen Million Elektrofahrzeuge, die sich laut Experten bis 2020 auf Deutschlands Straßen tummeln soll. «Also geben wir nicht Gas, sondern Strom», mit diesen Worten gab er gestern den offiziellen Startschuss für die eE-Tour.
Jetzt hoffen die sieben Projektpartner unter der Federführung des Allgäuer Überlandwerkes (AÜW) und der Hochschule Kempten vor allem auf Unterstützung von bayerischer Seite und auf eine Zusammenarbeit mit der ebenfalls am Projekt beteiligten Modellregion München. «Es muss eine enge Vernetzung mit München geben. Bisher vermissen wir noch, dass man uns dort ernst nimmt», kritisierte Prof. Dr.-Ing. Andreas Rupp, Vizepräsident für Forschung, Wissens- und Technologietransfer an der Hochschule Kempten.
«Elektromobilität ist ein extrem wichtiges Thema und wir haben in Bayern alles, was wir brauchen, um hier international ganz vorne mitzuspielen», sagte Markus Blume, Mitglied der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag. Es werde dabei nicht eine Stadt oder eine Region geben, die Elektromobilitäts-Stadt wird.
Viel mehr sei das Thema flächendeckend wichtig. Blume stellt sich zum Beispiel eine Region vor, in der Elektromobilität und Tourismus eine Rolle spielen - etwa im Allgäu. In einer anderen sei dagegen der Stadtverkehr entscheidender.
«Es gibt verschiedene Ansätze», pflichtete ihm Stefan Schnorr, Ministerialdirigent des Bundeswirtschaftsministeriums, gestern bei. Weiter betonte er: «Es ist aber wichtig, alle Modellregionen zu vernetzen und unsere Kräfte zu bündeln.» Deutschland solle Marktführer in Sachen Elektromobilität werden, habe aber nicht viel Zeit. Denn China zum Beispiel stehe ebenfalls bereits in den Startlöchern.
Preisverfall absehbar
Wichtig ist deshalb laut Michael Fiedeldey, Bereichsleiter Technik beim AÜW, den Fokus nicht nur auf die technische Entwicklung der E-Fahrzeuge zu legen, sondern auch zu fragen: «Wie kriegt man sie auf die Straße? Wie schafft man Akzeptanz?» «Wir sind uns einig: Elektromobilität wird kommen. Die Frage ist nur, wie schnell», ist sich Gesamtprojektleiter Stefan Mayer sicher. Momentan seien E-Autos aufgrund mangelnder Reichweite als Erstautos noch ungeeignet. Aber es gebe in Deutschland bis zu 15 Millionen Zweitwagen, so Mayer. Und auch ein Preisverfall für die noch teuren Fahrzeuge ist laut Müller vom Bundesverband E-Mobilität absehbar. «Vor einem halben Jahr kostet ein E-Auto noch 40 bis 50000 Euro. In den USA gibt es jetzt schon welche für 30000», rechnete er vor.