«Die Diagnose Krebs traf mich wie ein Schlag. Ich hatte nicht viel Zeit zu entscheiden, welche Behandlungsmethode ich überhaupt möchte. Schon lag ich unterm Messer», sagt der ehemalige Berufssoldat. Heute würde er sich nicht mehr operieren lassen. Mit einem Prostatakarzinom könne man noch lange leben. Und zwar nicht inkontinent und nicht impotent.
«Das Handicap regelt seit nun sechs Jahren meinen kompletten Tagesablauf», erzählt der gebürtige Pfälzer. Doch Boos zählt nicht zu den Männern, die sich verkriechen und Inkontinenz zu einem Tabuthema machen. Im Gegenteil: 2004 gründete er die erste und bis heute einzige Kontinenz-Selbshilfegruppe im Allgäu. Jeden ersten Donnerstag im Monat trifft er sich mit anderen Betroffenen um 16 Uhr in der Volkshochschule Sonthofen. Dort tauschen sie sich über ihre Schicksale und Erfahrungen aus.
«Gerade für einen Mann ist Inkontinenz etwas Beschämendes, Frustrierendes und Entwürdigendes, da es um sein bestes Stück geht», trifft der Hobby-Reiseleiter Boos den Nagel auf den Kopf.
Auch für die diesjährige, zum ersten Mal stattfindenden Welt Kontinenz Woche vom 22. bis 28. Juni hat sich Paul Boos besonders engagiert: Am Dienstag, 23. Juni, lädt er ab 14 Uhr zu zwei Vorträgen ein. Der Urologe Dr. Blessing und der Gynäkologe Dr. Flock werden im Haus Oberallgäu in Sonthofen zu diesem Tabuthema referieren.
Paul Boos berät auch am Telefon unter 08321/4764. Sein Buch wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.