«Mein Großvater ist im Konzentrationslager unter den Nazis umgekommen», sagt die Bad Grönenbacherin. Sie und rund 100 weitere Menschen sind an diesem verregneten und kühlen Samstagmittag gekommen, um an einer Gedenk- und Mahnwache teilzunehmen, die anlässlich einer NPD-Veranstaltung in der Stadthalle vom «Memminger Bündnis gegen Rechts» ins Leben gerufen wurde.
Mit «Fünf vor Zwölf» sind Wache, Schweigeminute und Blumenniederlegung überschrieben. Memmingen stehe für eine weltoffene, bunte und die Menschenrechte achtende Gesellschaft, sagt SPD-Stadt- und Bezirksrätin Petra Beer als eine der Organisatorinnen. «Sie alle, die sich hier versammelt haben, beweisen dies auf eindrucksvolle Art und Weise», so Beer in Richtung Teilnehmer.
«Wir wollen der NPD - welche unsere toleranten und demokratischen Prinzipien weder verkörpert noch lebt - an dieser geschichtsträchtigen Stelle zeigen, dass wir ihre politischen Aktionen und ihre Ideologie weder ignorieren, noch gutheißen können.»
Aus Sicht der 21-jährigen Studentin Jana Frey sind Veranstaltungen wie diese Mahnwache wichtig, «damit wir nicht vergessen». Es sei nicht irgendeine Partei, die da heute tagt. «Und dieser Gedenkstein steht nicht ohne Grund da», sagt sie und blickt in Richtung Sommerblumen, die auf den nassen Pflastersteinen leuchten.
Für die Memmingerin und ihre Freunde sei sofort klar gewesen, dass sie an der Mahnwache teilnehmen werden. Davon abgehalten hat sie und die anderen auch das schlechte Wetter nicht. «Wegen der Ferienzeit haben wir zudem nicht alle unsere Bündnispartner erreichen können», sagt Beer. Daher sei sie mit der Teilnehmerzahl zufrieden.
Zufrieden gibt sich auch die Polizei: 120 Personen - sowohl des rechten als auch des linken politischen Lagers - nehmen am Nachmittag an der öffentlichen NPD-Versammlung in der Stadthalle teil. Als die Veranstaltung am Abend endet, blicken die knapp 100 Einsatzkräfte laut Polizeibericht auf einen «absolut friedlichen Verlauf» zurück.
Kritik des Gewerkschaftsbunds
Bereits im Vorfeld der NPD-Veranstaltung hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Region Allgäu-Donau-Iller die «Strategie der Stadtverwaltung» kritisiert, die Veranstaltung der NPD «offensichtlich totschweigen» zu wollen. Für den DGB-Regionsvorsitzenden Werner Gloning ist das der falsche Weg. Neonazistische Umtriebe seien ein «Krebsgeschwür». Beseitigen könne man dies nur dadurch, dass man es «aktiv mit allen demokratischen Mitteln bekämpft».
Kaum 20 Minuten vergehen, dann ist die Mahnwache vorüber. Zurück bleiben bunte Blumen und das Gefühl, bei einem «stillen Protest Flagge gezeigt zu haben», wie es Beer formuliert.