Selbst im gymnasialen Bereich ist der Vormarsch der Frauen nicht mehr aufzuhalten. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Pädagogen fürchten, dass die Kinder keine männlichen Rollenvorbilder mehr haben. Dies sei umso gravierender, weil immer mehr Kinder ohne Vater mit alleinerziehenden Müttern aufwachsen müssten.
Der allgemeine Trend ist nach Angaben von Helmut Berchtold auch an der Volksschule Markt Rettenbach zu spüren. «Ein ausgeglichenes Verhältnis wäre begrüßenswert, egal für welchen Schultyp», so der Rektor. Weshalb Frauen gerade an Grund- und Volksschulen die Oberhand haben, könne er jedoch nicht sagen. «Das ist ein weites Feld, mit dem sich auch die Wissenschaft auseinandersetzt», sagt Berchtold. Rudolf Ruf sieht drei Ursachen für diese Entwicklung:
l Der Lehrerberuf sei nicht mehr so attraktiv wie früher. Dies schließe Bezahlung und gesellschaftliche Wertschätzung ein. Männer mit Studium würden in der freien Wirtschaft mehr verdienen.
l Frauen würden sich diesem Berufsfeld verstärkt zuwenden, weil man hier Familie und Beruf gut koordinieren könne. Eine Lehrerin könne sich bis zu zwölf Jahre beurlauben lassen. Zudem gebe es große Teilzeitmöglichkeiten. Ruf: «Die Rate der Teilzeitbeschäftigten ist in den letzten zehn Jahren von 31 auf 40 Prozent gestiegen.» In den neuen Bundesländern seien bereits 75 Prozent der Lehrer weiblich.
Leider habe der Lehrerberuf auch an Ansehen verloren. Hinzu kämen negative Schlagzeilen: Disziplinlosigkeit vonseiten der Schüler, zu große Klassen und Klassen mit hohem Ausländeranteil.
All diese Faktoren ließen junge Menschen darüber nachdenken, ob dieser Beruf überhaupt noch anzustreben sei.