Bei so vielen Geräten wird es hie und da zwischen den gut besetzten Bierbänken auf dem barrierefreien Theaterplatz ganz schön eng - das stört aber niemanden: «Hier kommen behinderte Menschen und Nichtbehinderte ins Gespräch», sagt Zelt und lacht in die Sonne. «Was sonst eher selten passiert.»
Markus Schmidt, der Mann mit dem Dreirad, hatte vor sieben Jahren eine Gehirnblutung erlitten. Seither ist die linke Körperhälfte des ehemaligen Baggerfahrers gelähmt. «Braucht man einen neuen Rollstuhl oder muss das Auto behindertengerecht umbauen, will die Versicherung erst einmal nicht zahlen. Ich mache den Menschen Mut, dagegen anzukämpfen», sagt Schmidt.
Auch Gudrun Seilert, die derzeit an zwei Krücken gehen muss, will behinderten Menschen unter die Arme greifen: «Man bekommt von ihnen so viel zurück. Viele können sich nicht in die Lage von Behinderten versetzen. Kleinigkeiten, die für manch einen selbstverständlich sind, können behinderten Menschen große Probleme bereiten.»
Ilse Geisler sitzt seit 15 Jahren wegen Arthrose im Rollstuhl. «Ich war in vielen Städten, aber Memmingen ist für einen Rollstuhlfahrer die beste, die es gibt», sagt sie, einen Teller Schupfnudeln auf dem Schoß. «In den letzten Jahren hat man fast alle Gehwege abgeschrägt und der herrliche Schrannenplatz, der Weinmarkt und die Maxistraße sind mittlerweile alle barrierefrei. Ich bin wunschlos glücklich.»
Ganz so glücklich wie Ilse Geisler ist Verena Gotzes, die zweite Vorsitzende der Behinderten-Kontaktgruppe, noch nicht: «Wir brauchen mehr barrierefreie Wohnungen und Arztpraxen. Die neuen Praxen im Ärztehaus am Schrannenplatz sind zwar rollstuhlgerecht, aber das Haus verfügt nur über eine einzige Behindertentoilette.
» Gotzes will zudem, dass in Memmingen mehr behinderte Kinder mit Nichtbehinderten die Schulbank drücken. Auch Dieter Betke, Vorsitzender der Kontaktgruppe und Organisator des bunten Straßenfests, hat noch einen Wunsch: «Wir brauchen im Verein mehr Helfer, vor allem junge Leute. Unser Altersdurchschnitt liegt bei über 65 Jahren.»
«Für alle»
Maria Thill nickt. Sie hat einen querschnittsgelähmten Sohn und ist seit 22 Jahren in der Kontaktgruppe. Beim Straßenfest wird sie mit dem Pokal «An behinderte Menschen gedacht» ausgezeichnet - genauso wie Kulturamtsleiter Dr.Hans-Wolfgang Bayer und Erika Winterwerb von der Arbeiterwohlfahrt. Bayer bekommt den Preis wegen seines Konzepts für die diesjährigen Kulturwochen «Memminger Meile», die er nach Gotzes Worten «für alle zugänglich machen will».
«Für alle» - das ist das Stichwort bei diesem sonnigen Straßenfest auf dem Memminger Theaterplatz: Es ist ein Miteinander, bei dem jeder Eindrücke sammelt und manch einer wohl Neues kennenlernt.