Offensichtlich ist sie auch nicht davon überzeugt, schon bald eine Lösung präsentieren zu können: Wenn Ehrenvorsitzender Josef Miller von einer Neuwahl im Spätherbst spreche, dann sei das ein «sehr ehrgeiziges» Ziel. Böckh hält es für denkbar, dass die Partei ihren Mitgliedern erst im «Frühjahr oder Frühsommer 2012» einen Kandidaten präsentieren kann.
Noch vor einigen Monaten schien es, als hätten die Memminger Christsozialen eine langfristige Lösung gefunden. Bei einer Klausurtagung war die Überzeugung gereift, dass Rüdiger Hering der ideale Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Miller ist. Das sah die Mitgliederversammlung genauso. Hering wurde im April mit 93 Prozent der Stimmen zum neuen CSU-Kreischef gewählt. Doch keine zwei Wochen später kam der erst 34-jährige Ingenieur bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
Der Wechsel von Miller auf Hering hatte einen Generationswechsel bedeutet. In diese Richtung will sich Böckh auch bei der jetzigen Suche nach einem Vorsitzenden bewegen. Man müsse «unbedingt danach schauen, wieder einen Jüngeren zu haben», betont die kommissarische Kreischefin. Wenn sich die CSU als junge, innovative Partei präsentieren wolle, sei ein solches Signal wichtig.
Das sieht ein sehr erfahrener Parteifreund genauso: «Es wäre sinnvoll, jemanden im Alter zwischen 30 und 40 Jahren zu bekommen», sagt Fritz Such, der für die Christsozialen seit 39 Jahren im Stadtrat sitzt. Doch genau das ist eine komplizierte Angelegenheit. «Momentan haben wir im mittleren Alter ein bisschen eine Lücke», weiß Böckh.
Gute Leute gebe es in der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation der CSU. «Doch für sie käme das Amt des Kreisvorsitzenden zwei, drei Jahre zu früh.» In dieser Altersgruppe seien derzeit andere Dinge vorrangig: «Zu Ende studieren oder einen Betrieb aufbauen», so Böckh.
Dazu komme eine grundsätzliche Schwierigkeit, sagt Ulrich Ommer, einer der stellvertretenden Kreisvorsitzenden: «Die Bereitschaft, politische Ämter zu übernehmen, ist nicht gewachsen.»
Böckh will sich nun im September «mit allen maßgeblichen Mitgliedern» zusammensetzen und die Lage erörtern. Sie selbst würde sich nur zu einer Kandidatur bereit erklären, «wenn alle Stricke reißen». Das Amt an der Spitze der Memminger CSU wäre schwer vereinbar mit ihrer Aufgabe als Zweite Bürgermeisterin, glaubt die 59-Jährige.
Im Rathaus müsse sie mit allen Parteien zusammenarbeiten, gerade auch mit dem SPD-Oberbürgermeister. Als CSU-Kreisvorsitzende hätte sie aber die Aufgabe, «Themen zu suchen, mit denen man die Stadtspitze vor der nächsten Wahl ein bisschen anschießen kann».