Ebenfalls angeklagt ist ein 62-Jähriger aus Brandenburg. Die Männer sollen 2004 und 2005 mehreren hundert Darlehensnehmern und Kapitalanlegern vorgegaukelt haben, ihnen besonders lukrative Anlagen und Angebote vermitteln zu können.
Nach Auskunft der Gerichtssprecherin geht es nun um insgesamt 715 Fälle: 429 Geschädigte sollen insgesamt 454 Verträge abgeschlossen und gutgläubig rund 18,3 Millionen Euro gezahlt haben. Sechs weitere Geschädigte sollen veranlasst worden sein, Grundschulden in Höhe von insgesamt 10,8 Millionen Euro eintragen zu lassen.
60 Anleger oder Darlehensnehmer sollen insgesamt rund 3,8 Millionen Euro an Auszahlungen erhalten haben, um den Anschein einer sicheren und ordnungsgemäßen Vertragsabwicklung zu erwecken.
Laut Anklage hatte das Unternehmen, in dem der 51-Jährige Geschäftsführer war, eine Schlüsselfunktion bei den mutmaßlichen Betrügereien: Die rund 430 Anleger sollen ihr Eigenkapital an diese als «seriös und sicher» avisierte Firma übergeben haben. Von dort aus sollen die Millionen dann weitergeleitet worden sein.
Weitere 249 potenzielle Anleger und Darlehensnehmer, die zunächst an einem Vertragsabschluss interessiert gewesen seien, sollen in 255 Fällen kein Eigenkapital eingebracht haben. Hierbei handle es sich also um versuchten Betrug. Dem 62-Jährigen wird zudem Urkundenfälschung in elf Fällen vorgeworfen. Der 51-Jährige aus dem Unterallgäu will von den Betrügereien nichts gewusst haben. Er habe von seinem Verteidiger eine umfangreiche Erklärung verlesen lassen, wonach er ebenfalls getäuscht worden sei, so le Claire.
Das Gericht hat nach Angaben seiner Sprecherin bislang schon mehr als 30 Zeugen gehört. Weitere sollen folgen. Eingeplant seien insgesamt zehn Prozesstage. Dabei wolle das Gericht auch den Verbleib des Geldes klären. Das Urteil soll am 26. November fallen.
Den Angeklagten drohten bis zu 15 Jahre Haft, so le Claire. Der mutmaßliche Drahtzieher des Millionen-Betrugs ist laut der Gerichtssprecherin nach wie vor auf der Flucht. Nach ihm sei bereits mithilfe der bekannten Fernsehsendung «Aktenzeichen XY» gefahndet worden. Für Hinweise, die zur Ergreifung des 53-Jährigen führten, habe das Landeskriminalamt Brandenburg eine Belohnung in Höhe von 20000 Euro ausgesetzt. Der Mann soll sich zuletzt in der Mongolei aufgehalten haben.