"Der Getreidepreis auf dem Weltmarkt ist gestiegen. 2008 und 2009 war er katastrophal, jetzt schaut es nicht schlecht aus." Ein guter Grund für die Bauern, vermehrt auf Gerste, Roggen und Weizen zu setzen. Das sieht auch Gerhard Miller vom Bayerischen Bauernverband (BBV) so. "Bisher konnte man mit Mais mehr Gewinn machen. Das wird sich heuer ein bisschen drehen."
In den vergangenen zehn Jahren hat der Maisanbau im Landkreis stetig zugenommen. Lingenhöl, Leiter des Sachgebiets Landwirtschaft, nennt konkrete Zahlen: Im Jahr 2000 gab es rund 76 000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. 55000 Hektar Grünland, der Rest Ackerfläche, von der 8000 Hektar mit Mais bepflanzt wurden.
Elf Jahre später sind es etwa 1000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche weniger. „Daraus wurden Gewerbegebiete, Bauland oder man brauchte das Land für den Straßenbau“, erklärt Lingenhöl. 2011 waren es 48 000 Hektar Grünland. Und der Maisanteil an der Ackerfläche ist auf 13 000 Hektar gestiegen. Also waren es im vergangenen Jahr 7000 Hektar weniger Grünland und dafür 5000 Hektar mehr Mais als noch vor elf Jahren.
Sechs Prozent der Nutzfläche
Verwendet wird der Mais von den 1900 Milchviehhaltern im Landkreis zu zwei Dritteln als Futtermittel und zu einem Drittel für Biogasanlagen. „Ein Drittel von 13 000 Hektar Mais wird also für Biogasanlagen verwendet. Das sind nur knapp sechs Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche“, betont BBV-Kreisobmann Gerhard Miller.
Diese Zahl sage etwas anderes aus als das Gefühl der Leute, bei einer Fahrt durch die Lande nur noch Mais für Biogasanlagen zu sehen. Auch wenn heuer vielleicht durch den guten Getreidepreis etwas weniger Mais angebaut wird, warnt Miller, den Mais zu verteufeln. „Er ist die Art, die am wenigsten Düngung und Pflanzenschutz braucht.“
„Das Allgäu war nicht immer grün“, sagt Miller. Blau sei es früher einmal gewesen, geprägt durch den Anbau blau blühender Flachspflanzen. Mit der Einführung der Milchwirtschaft sei es grün geworden, doch noch vor dem Zweiten Weltkrieg habe es im damaligen Kreis Memmingen einen Ackeranteil von 44 Prozent gegeben. Mehr als heute, wo man in der Landwirtschaft ein Drittel Ackerfläche und zwei Drittel Grünland im Unterallgäu habe.
„Wir zählen zu den fruchtbaren Gegenden der Erde. Bei sieben Milliarden Menschen ist die Lebensmittelproduktion vorrangig. Nur mit Blumenwiesen werden wir nicht klarkommen“, sagt Miller.
In Baden-Württemberg besteht seit dem vergangenen Jahr ein Verbot, Dauergrünland in Ackerfläche zu umbrechen. Ein solches Umbruchverbot, sagt Lingenhöl, werde voraussichtlich auch in Bayern kommen.